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Das Märchen von der freien Zeiteinteilung


Wednesday, March 3, 2010

Meine Rumänischlehrerin meint, es sei doch für mich als Selbständige wahrscheinlich gar kein Problem, den VHS-Kurs von dienstags 19:30 auf montags 18:00 Uhr zu verlegen.

Meine Freunde fragen mich, ob ich es nicht total genieße, selbständig zu sein, weil ich jetzt ja quasi meine eigene Herrin sei und selbst entscheiden könne, wann ich arbeiten wolle.

Meine Cousine meint am Telefon, ich hätte jetzt ja so ein entspanntes Leben, weil ich mir als Selbständige meine Arbeitszeit frei einteilen kann. Ich frage sie, ob sie das als Hausfrau und Mutter dreier Kinder auch könne. Nein, natürlich nicht, sie hätte ja so viele Termine.

Tja. Ich auch.

In den letzten Wochen ist mir diese Sichtweise häufig über den Weg gelaufen. Bei vielen anderen Selbständigen mag es zutreffen, dass sie über ihre Arbeitszeit selbst entscheiden können - bei mir ist das eher nicht so. Einige meiner selbständige Freunde arbeiten fast ausschließlich für Endkunden und sind daher im Home-Office. Ich arbeite oft in oder für Agenturen. Dann heißt es, morgens um 9 Uhr auf der Matte stehen und dann bis mindestens 18 Uhr arbeiten. Da ist dann nix mit freier Zeiteinteilung - außer, dass ich vielleicht noch entscheiden kann, an welchem Tag ich in welche Agentur gehe.

Wenn ich frei über meine Arbeitszeit entscheiden könnte, würde ich wohl eher abends oder nachts arbeiten. 80 % meiner Hausarbeiten und Diplomarbeit sind im Dunkeln entstanden. Fürs Arbeiten an Tageslicht brauche ich manchmal etwas extrinsische Motivation, wie z.B. einen Termin um 9 Uhr. Und selbst wenn ich Jobs habe, die ich im Home-Office erledigen kann, kann ich trotzdem nicht in meinen geliebten Eulen-Zyklus verfallen, weil ich am nächsten Tag bestimmt wieder einen Termin um 9 Uhr habe. Und nur vier Stunden Schlaf sind irgendwie uncool.

Jetzt wirds ernst


Tuesday, March 2, 2010

Im Juni 2009 war dieser Moment noch so fern: Der Tag, an dem mein Existenzgründungszuschuss ausläuft. Jetzt ist es soweit. Vor ein paar Tagen ist zum letzten Mal das bequeme Sorgenminierungspaket vom Arbeitsamt auf meinem Konto eingetroffen.

Das Dreamteam Merja und Judith schlägt wieder zu


Thursday, February 25, 2010

Judith und Merja

Merja und ich haben im Jahr 2000 gemeinsam angefangen, Grafik-Design zu studieren. Und schon damals waren wir bei Gruppenarbeiten ein gutes Doppel. Nach diversen Sprühkleberexzessen und leidenschaftlich geführten Kämpfen gegen das Schicksal z.B. in Form von Druckerausfällen war klar: Eines Tages müssen wir unbedingt zusammen arbeiten. Was im Studium gut geklappt hat, muss in der freien Wildbahn doch mindestens genau so super werden. Gesagt getan. Diese Woche startet unser erstes gemeinsames Freelancer-Projekt.

Sympatexter liest Lift


Monday, January 18, 2010

Lift Januar 2010

Hey Sympatexter, du bist in der Lift! Es waren beim CoWorking Event Leute vom Lift da und haben u.a. auch mich photographiert. Und schön, dass sie ein Foto genommen haben, bei dem Rozana und ich ganz angeregt diskutieren ;-)

Artikel Coworking

(Coworking Artikel Lift PDF via Coworking-Stuttgart.de)

Ein bisschen weitergeblättert finde ich auf Seite 24/25 gleich zwei Modelabel, die ich doch von irgendwoher kenne. Port Racoon habe ich bei der Dekumo entdeckt. Dort habe ich mir bei Jana Beiers Stand eines meiner neuen Lieblingsteile gekauft. Einen Schal mit Cape, außen harmlos schwarz, innen sympatexterkompatibel rosablaubunt gemustert. Da konnte ich einfach nicht widerstehen:

Port Racoon Schal

Das zweite Label ist Mi Tia von Silvia Fritz (Mode für stillende Mütter und Babies). Eine gute Freundin von mir aus der Grafikdesignstudienzeit, Merja Maier, entwarf das Corporate Design für Mi Tia. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie wir drei Mädels auf der Existenzgründermesse letztes Jahr in Stuttgart leicht planlos durch die Gegend gelaufen sind und ganz am Anfang unseres selbständigen Daseins standen. Gestern haben Merja und ich im eingerichteten Atelier von Silvia Teile für unsere neue Verwandten gekauft, die bald das Licht der Welt erblicken.

Mi Tia Label

Mi Tia Shop

Und dann ist da noch die Suppi Bar vor meiner Haustür, die ich aus eigener Erfahrung wärmstens empfehlen kann:

Suppi Bar Artikel Lift

Ich glaube, ich werde mir die Lift öfters kaufen…

Getting Things Done


Friday, November 27, 2009

Oliver Gassner hält seinen "Getting things done"-Vortrag

Was hat Oliver Gassner da nur angerichtet? Eigentlich bin ich ja überhaupt nicht der Typ, der zum Prokrastinieren neigt und ich habe auch überhaupt keine Probleme damit, Dinge geregelt zu kriegen. Aber es gibt da einige Bereiche in meinem Leben, die ein bisschen Effizienz gut vertragen könnten. Mein Emailpostfach, zum Beispiel. Nach Oliver Gassners Vortrag habe ich mich dazu inspiert gefühlt, Ordnung in mein kleines, schnuckliges Gmail-Chaos zu bringen. Das Ziel heißt: Zero Inbox. Obwohl Google es einem so leicht macht, alles in der Inbox zu stapeln: Die praktische Suchfunktion (und das Sternchen!) gräbt alles aus, was ich gerade suche. Aber trotzdem. Ordnung ist in diesem Kontext vielleicht nicht zwingend notwendig, kann aber auch nicht schaden.

Bei über 5.100 Emails ging der Spaß los. 3.000 gelöschte und sortierte Mails und >20 neue Gmail-Labels später habe ich das Gefühl, eine kleine Zeitreise in meinem Posteingang gemacht zu haben. Und die Reise geht noch weiter. Zurück bis Juni 2006. In der Zwischenzeit lege ich noch den ein oder anderen Filter an und erfreue mich an meinem zusammenschmelzenden Emailaccount. Ob es die Effizienz im Alltag auch fördert, wird sich zeigen. Das Löschen jedenfalls tut einfach gut.

Wir nennen es CoWorking


Friday, November 13, 2009

01

Ja, es sieht noch nicht ganz heimelig aus, aber das wird schon. Hier, im Herzen Stuttgarts, wird in den nächsten Wochen und Monaten ein CoWorking Space für Selbständige nach Berliner (bzw. Amerikanischem) Vorbild entstehen. Inklusive Arbeitsplätze für gefühlte 20+x Personen, Präsentationsraum und einer KiTa. Alles was man mitbringen muss, ist ein Laptop, evtl. vorhandene Kinder, gute Laune, Aufträge und Ideen.

02

So auch an den ersten CoWorking Schnuppertagen am 27./28. November 2009. Jeder ist herzlich dazu eingeladen, vorbeizuschauen und sich zu beteiligen. Wie das dann aussieht, bleibt jedem selbst überlassen: Man kann entweder Vorträgen lauschen, miteinander diskutieren oder mit anderen CoWorkern gemeinsam an fiktiven oder realen Aufträgen arbeiten. Es gibt WLAN, Getränke, Vorträge, eine Tai Chi Session und vielleicht schauen sogar Vertreter von anderen deutschen CoWorking Erfolgsbeispielen vorbei. Wir werden sehen. Es wird auf jeden Fall spannend und interessant. Hier gibt es mehr Infos und die Möglichkeit, sich anzumelden.

03 04

Stuttgarter Initiator ist Harald Amelung, der auch die CoWorking Stuttgart Homepage betreibt. Die Wirtschaftsförderung Region Stuttgart ist von der CoWorking Idee auch begeistert und hat die Räumlichkeiten vermittelt. Für das CoWorkingCamp am 27./28. November werden noch einige Dinge benötigt, wie z.B. Tische, Stühle, Garderobe, Flipcharts usw. Wer helfen kann (und will ;-) kann sich gerne hier melden.

Quelle, Amazon und ich


Tuesday, November 3, 2009

Seit einigen Tage frage ich mich: Wie konnte Quelle zu einer Zeit pleite gehen, in der Amazon groß wurde?

Beide Firmen haben ein relativ ähnliches Geschäftsmodell: Sie verkaufen alles Mögliche übers Internet. Einige kleine Unterschiede gibt es natürlich auch: Quelle hat als Klamottenversand angefangen, während Amazon sich anfangs auf Bücher spezialisiert hat. Quelle hat zusätzlich stationäre Geschäfte (die ich noch nie betreten habe) und Amazon druckt keine Kataloge.

Hat Quelle Potentiale verschlafen?

Überall liest man, dass Quelle als eines der ersten großen deutschen Unternehmen voll aufs Internet gesetzt und über 50% seines Umsatzes online gemacht hat. Ein guter Anfang. Dennoch hat sich Quelle nicht an das sich verändernde Konsumentenverhalten angepasst. Ich z.B. als gerade noch so Digital Native habe noch nie etwas online bei Quelle bestellt, zücke aber regelmäßig meine Kreditkarte bei Amazon. Warum? Gute Frage.

Eigentlich hätte ich ein Quelle Powershopper werden müssen. Ich komme aus einer Familie, in der vor allem eines knapp war: Zeit. Deshalb lagen immer ein paar Otto-, Quelle, Yves Rocher- und sonstige Kataloge in unserer Wohnung verstreut. Meine Eltern kauften quasi alles außer Lebensmittel aus Katalogen: Kleider, Schuhe, Elektronikzeug, Blumenzwiebeln, Duschgel, Bücher, Kosmetik usw. Aber es hat nicht sein sollen, mit mir und Quelle. Irgendwann, gegen Mitte meines Teenagerdaseins kam der Bruch. Es lag wahrscheinlich daran, dass im Leben eines jeden Jugendlichen der Punkt kommt, in dem man keine Klamotten mehr aus Katalogen kaufen kann, weil einfach nichts mehr passt. Da muss man schon alles vor Ort in schlecht ausgeleuchteten Umkleidekabinen anprobieren. Meine Mutter, deren Körperwachstum seit einigen Jahrzehnten beendet ist, war da schmerzfreier. Sie hat sich Schuhe oder Klamotten in zwei oder drei verschiedenen Größen liefern lassen, anprobiert und alles, was nicht gepasst hat, zurückgeschickt. Das gab immer eine lustige Pappkartonschlacht im Wohnzimmer. Ich habe mich immer gefragt, was ich machen würde, wenn ich 10 Paar Schuhe in verschiedenen Größen probieren wollte. Aber das blieb dann doch nur ein vages Gedankenexperiment.

Mitte der 90er Jahre trat das Internet langsam in mein Leben. Seit diesem ersten magischen Moment und den ersten tapsigen Schritten in diesem faszinierenden Gebilde (u.a. Surfführerschein bei der Telekom), haben quasi alle Meilensteine in meinem Leben irgendwas mit dem Internet zu tun. Es gibt schließlich kaum etwas, das man im Internet nicht finden kann: Studiumsplätze, Praktika, Jobs, Wohnungen, Konsumartikel, die Liebe - und Kundenrezensionen. Letzteres vor allem bei Amazon. Ich stehe im Media Markt und liebäugel mit einem Nintendo DS Spiel. Mein Freund zückt das iPhone. Das Spiel hat bei Amazon eine schlechte Bewertung? Wird nicht gekauft (ich erinnere mich da an meine Beinahe-Fehlinvestition namens Spore. Danke, Amazon). Der Wasserkocher hat laut Rezensenten ein Problem mit dem Deckel? Tja, dann halt eine andere Marke. Ein Buch wird verrissen? Dann lass ich den Geldbeutel mal stecken.

Neben all den tollen Features bei Amazon wie z.B. die Wishlist (ja, ich habe tatsächlich schon mal Dinge von meiner Amazon Wishlist geschenkt bekommen), 1-Click, die Vorschläge, die mir aufgrund meiner letzten Einkäufe präsentiert werden oder die Rezensionen, ist die Bewertungsfunktion für mich das wichtigste Feature von Amazon.

Rein theoretisch kann man bei Quelle auch eine Kundenrezension verfassen. Aber bei keinem einzigen Produkt habe ich dann auch tatsächlich eine gesehen. Woher soll ich denn nun wissen, ob diese oder jene Digitalkamera bei Quelle was taugt? Tja, schau ich halt bei Amazon. Und da ich schon mal dort bin, kann ich es dort auch gleich kaufen. Bei den tagesaktuellen Preisen, die an keine Printkataloge gebunden sind und daher - gerade bei technischen Geräten - auch mal ganz kundenfreundlich sinken können, macht man manchmal auch noch ein ganz nettes Schnäppchen. Und schon fließt das Geld an Quelle vorbei zu einem ähnlichen, aber dennoch ganz anderen Online-Versandhandel.

Wenn der Zahn der Zeit zu stark an Geschäftsmodellen und Prozessen nagt, bringen Marketing oder kontinuierliche Optimierung auch nichts mehr. Die Systemfehler bleiben. Dann muss man alle Prozesse und Gegebenheiten infrage stellen, das System komplett in seine Einzelteile zerlegen und neu aufbauen. Statt dessen wurde am Status Quo festgehalten. Ein Vergleich mit dem Vorgehen in der Notaufnahme hätte bestimmt nicht geschadet. Dort heißt es: Behandle zuerst das, was den Patienten zuerst tötet. Und ein Design-Relaunch kurz vor der Firmenpleite ist nun mal so, wie eine kleine Schramme zu desinfizieren, während der Patient an inneren Blutungen leidet.

Manchmal würde ich mich echt mal gerne an so einem Unternehmen versuchen (aber bitte nicht erst, wenn die Firmenpleite energisch an der Tür klopft). Einige gute Voraussetzungen bringe ich mit: Ein BWL-Studium, Lust darauf, ein Unternehmen umzukrempeln, eine offene Einstellung gegenüber Veränderung und - der Knüller: gesunder Menschenverstand! Im garantiert unwahrscheinlichen Fall der Firmenpleite würde ich mich schämen, eine Millionenabfindung zu verlangen. Hunderttausend würdens auch tun ;-)

Generation “Irgendwas mit Medien” Teil II


Monday, October 19, 2009

Irgendwie waren dann beim 10jährigen Abi-Jubiläum doch sehr viele Ingenieure, Forscher, Anwälte und Bänker anwesend. Außer einem oder zwei (im weitesten Sinne) Vertriebsleuten und Rozana und mir war die Mediengeneration entgegen erster Hochrechnungen etwas unterrepräsentiert. Ist natürlich nicht tragisch - denn wie sähe eine Welt voller “ich-mach-was-mit-Medien”-Leuten aus? Bestimmt bunter. Aber wir wären wohl alle ein bisschen hungrig.

Generation “irgendwas mit Medien”


Wednesday, October 7, 2009

In einigen Tagen feiern wir unser zehnjähriges Abijubiläum und irgendwie hat es sich so ergeben, dass ich im Organisationsteam bin. Und während ich alle per Xing zusammensuche und einlade, stelle ich fest, dass ca. ein Drittel meiner ehemaligen Mitschüler - genauso wie ich - irgendwas mit Marketing, Werbung oder Medien macht. Wow, das ist ganz schön viel, finde ich.

Aber dann fällt mir wieder ein, dass meine Stichprobe nicht repräsentativ ist. Von den ungefähr 50 Leuten aus meinem Jahrgang habe ich nur knapp 30 bei Xing gefunden. Ich vermute, die restlichen 20 gehen eher internetfernen Berufen nach. Einer von denen hat noch nicht mal eine Emailadresse und tippt auf der Schreibmaschine.

Eine genauere Berufsanalyse erfolgt, wenn ich am kommenden Wochenende allen ehemaligen Mitschülern die Hand geschüttelt, ihre Babies bewundert und sie ganz nebenbei gefragt habe, was sie denn jetzt ganz genau machen.

Ich habe den Eindruck, andere verstehen unter “Marketing” etwas anderes als ich


Thursday, October 1, 2009

Da wollte mich doch tatsächlich jemand für so ein Pyramiden-Vertriebs-System werben. Pech für ihn, denn bei mir läuten sofort die Alarmglocken, wenn ich Bullshit höre. Die letzten Jahre habe ich mich intensiv mit neuen Vertriebskonzepten beschäftigt und ich muss sagen, dass Schneeballsysteme, bei denen Leute Geld verdienen, indem sie andere anwerben, die wiederrum selber andere anwerben (müssen), noch nie zu den sympathischen und für alle Beteiligten erfolgreichen Modellen gehört haben. Aber ich habe ja sowieso eine ganz persönliche Abneigung gegen solche Pyramidenspielchen. Und das kam so:

Vor einigen Jahren hat mich eine sehr gute Freundin mal zu so einer Gesprächsrunde mitgeschleppt. Ich hatte keine Ahnung, was mich erwartet, aber sie (meine Freundin) hat gemeint, dass es was ganz tolles, spannendes, neues sei. Und ihre Mutter käme auch mit. Na gut. Dann gehe ich halt auch hin. Angekommen, Hände geschüttelt, mich vorgestellt und dann ging es auch schon los: Irgendwelche mir vollkommen unbekannten Frauen schütten ihr Herz aus über persönliche Abgründe, familiäre Probleme (der Mann geht fremd) und wie schwer sie es hätten und das Leben als Hausfrau sei ja so langweilig, demütigend und schlimm. Und wie toll es wäre, wenn sie alle ein bisschen Geld hätten, um ihre Träume zu verwirklichen. Da wurden Geschichten erzählt, von denen ich bis heute nicht weiß, ob das andere Menschen wissen oder ob diese Geschichten überhaupt echt sind. Nachdem sich alle das Herz ausgeschüttet haben und die Mutter meiner Freundin auch gedrängt wurde, ihre leidvolle Geschichte zu erzählen, ging es dann ans Eingemachte. Dann wurde ein Stück Papier gezückt und ein Plan gezeichnet, mit dem jede dieser Frauen steinreich werden könnte. Wenn sie es denn nur schaffte, genug andere Frauen von diesem tollen neuen Konzept aus Australien zu begeistern. Der Plan bestand aus einigen Kreisen.

30092009

Ganz oben einer. Darunter zwei Kreise - beide mit dem obersten Kreis verbunden. Unter jedem dieser unteren zwei Kreise nochmal jeweils zwei. Und unter allen unteren 4 Kreisen jeweils nochmal zwei, so dass ganz unten 8 Kreise waren. Die Wortführerin war der oberste Kreis. Die restlichen Damen haben versucht, andere Frauen für die untersten 8 Kreise zu werben, zum Beispiel die Mutter meiner Freundin. Ach ja, so ganz nebenbei wurde gesagt, der Beitritt zu diesem exklusiven Kreis wäre mit einer Investition von 8.000 Euro verbunden. Bevor irgendwelche Zweifel aufkommen konnten, wurden Bilder herumgereicht. Darauf zu sehen war ganz viel Konfetti und die letzte Frau, die ganz oben in der Pyramide stand bei ihrer “Schenk-Party”. Denn wenn nämlich alle 4 Frauen auf der 3. Stufe jeweils zwei weitere Frauen geworben haben, ging über der Frau, die ganz oben in der Pyramide stand, ein Geldregen nieder. Die hat dann nämlich sagenhafte 64.000 Euro bekommen! Ist das nicht phantastisch? Bei dieser Rendite würde jede Bank erblassen. Dann schied diese Frau aus der Pyramie aus, die Gruppe teilte sich in zwei einzelne Pyramiden, die Frauen auf der zweiten Ebene rückten eine Ebene höher und warteten nun selbst darauf, dass die unterste “Kaste” genug Frauen findet, die dieses Spielchen mitmachen.

Unfassbar. Auf meine Frage, wie das denn funktionieren könne, weil die Gruppe ja exponentiell wachsen müsste und so, wurden die Damen ein bisschen feindselig. Ich schnappte mir meine Freundin und ihre etwas widerwillige Mutter, redete ihnen in einer Ecke ins Gewissen und machte mich mit ihnen aus dem Staub. Die Stimmung war ohnehin ziemlich am Tiefpunkt. Die beiden wussten zunächst nicht, ob sie auf mich sauer sein sollten, denn die Frauenrunde wollte die beiden nämlich nicht mehr dabeihaben.

Etwa zwei Wochen später hat dieses Thema offensichtlich eine kritische Schwelle überschritten, denn es war plötzlich in den Medien. Überall wurde über sogenannte Herz- und Schenkkreise berichtet und davor gewarnt, daran teilzunehmen. Ich bin immer noch sehr gut mit besagter Freudin befreundet, aber dieser Abend gehört nicht zu unseren glanzvollsten Erinnerungen.

Und all diese Erinnerungen sind dann, als dieser Typ mich vollgequatscht hat, wieder hochgekommen. Irgendwelche Putzmittel, Zahnpastas und Lebensmittelergänzungen in einer Multilevel-Marketing-Struktur meinen Freunden, Bekannten und Verwandten anzudrehen, mag objektiv betrachtet nicht das gleiche sein wie ein Herzkreis. Aber für mich hat es subjektiv betrachtet einen ähnlich faden Nachgeschmack.

Ich habe mich, so höflich wie es mir möglich war, verabschiedet und mich aus dem Staub gemacht. 20 Minuten Lebenszeit verloren, dafür wurde mein Bullshit-Radar wieder ordentlich kalibriert.