Tuesday, June 30, 2009
Gestern war ein historischer Moment: Ich habe meinen Eltern mein Portfolio gezeigt und ihnen erklärt, was ich mache. Ich glaube, sie haben es verstanden.
Ich erinnere mich an diverse Erklärungsversuche als ich noch Grafik-Design studiert habe (”wer bezahlt dich denn fürs Zeichnen?”). Komplizierter wurde es, als ich auf der Texterschmiede war. Während sie noch nachvollziehen konnten, weshalb Grafiker ihre Daseinsberechtigung in der Wirtschaft haben, hatten sie nicht viel Verständnis für das Texten. Denn - klar - schreiben kann ja jeder. Als ich Medienmanagement studiert habe, war wieder alles klar. Mein Dad ist schließlich auch BWLer. Dann habe ich mich in die Richtung Konzeption entwickelt und die Verwirrung war wieder groß. Auf die Frage “und was machen Ihre Kinder so?” haben meine Brüder dankbarere Vorlagen geboten. Der eine ist Mediaplaner (oooh, das ist auch schwierig zu erklären), der andere arbeitet bei Daimler. Da kann man zwar alles mögliche arbeiten - von der Fließbandarbeit über die Ingenieurstätigkeit bis hin zu Marketing und Management, aber egal: die Leute haben eine glasklare Vorstellung, wenn man ihnen sagt, man arbeite bei Daimler.
Das will ich auch. Also, nicht bei (aber vielleicht für) Daimler arbeiten, sondern bei meinen Gesprächspartner ebenfalls eine glasklare Vorstellung im Kopf entstehen zu lassen, wenn ich ihnen mit maximal drei Sätzen (habe ich mir persönlich als Limit gesetzt) erkläre, was ich mache.
Friday, June 26, 2009
Morgens halb 10 in Deutschland. Ich mache den Rechner an. Emails checken. Internet. Vor einem halben Jahr war die erste Seite, die ich aufgerufen habe iGoogle und dann ein direkter Click auf Google Reader. Noch ein halbes Jahr davor war es Spiegel Online. Heute ist es Twitter. Der erste Blick geht dabei immer in die rechte Spalte der “Trending Topics”. So habe ich in den letzten Tagen erfahren, was gerade im Iran los ist, (gefühlt) schneller als bei den gewohnten Nachrichtenlieferanten. So erfuhr ich gestern zuerst bei Twitter, dass Farrah Fawcett gestorben ist und heute, dass Michael Jackson tot ist.
Ich nutze Twitter erst seit ca. 20 Monaten. Bloggen war meine Einstiegsdroge ins Web 2.0, ich nutze Blogs mehr als doppelt so lang wie Twitter, aber ich habe das Gefühl, dass Twitter meine Kommunikation, meinen Nachrichtenkonsum und mein Leben sehr viel mehr verändert hat. Über das Bloggen habe ich einige Leute kennengelernt, z.B. Henning oder Alexander bei der “Hustle the Sluff” Aktion in Berlin. Twitter hat mich auf die BarCamps und Pl0gbars gebracht und ich habe noch viel viel mehr Leute kennengelernt. Zudem werden diese neuen und alten Bekanntschaften durch Twitter und seine Ausläufer ins reale Leben intensiviert. Mit Twitter bin ich einfach näher dran: An Freunden, Neuigkeiten, Nachrichten, Veranstaltungen und Trends. Ich kann mir das Internet ohne Twitter nicht mehr vorstellen. Müsste ich mich zwischen Blogs und Twitter entscheiden, würde ich im Moment wohl Twitter den Vorzug geben.
Andererseits kann ich auch nachvollziehen, dass viele Leute mit Twitter überhaupt nichts anfangen können. Am Anfang fand ich Twitter auch sinnlos. Nicht nachvollziehen kann ich dagegen, wenn Leute solche Dinge sagen wie z.B.: “Twitter? Was fürn Scheiß. Nutzen doch nur [Beleidigung nach Wahl einfügen]“. Dann wird es nämlich persönlich und wie wir in den letzten Wochen gesehen haben, wird Twitter von vielen nicht nur zum sinnlosen Zeittotschlagen genutzt. Stichwort: Iran.
Friday, June 19, 2009
Meine Familie ist so groß, dass immer noch nicht jeder meiner Cousins zweiten bis x-ten Grades weiß, dass ich selbständig bin. Das ist bei meiner Familie (”Word-of-Mom”) quasi ein kleines Wunder. Letzten Sonntag durfte ich also einer meiner Cousinen zweiten Grades bei einem kleinen Familienfest mitteilen, dass ich - tadaaa - selbständig bin.
Schweigeminute.
“Mutig. [Schweigen. Skeptischer Blick] Also, ich würde mich das ja nicht trauen.”
Meine Mutter lacht sich halbtot, kriegt sich aber noch rechtzeitig unter Kontrolle, um dem folgenden Spektakel unter Vollbesitz ihrer geistigen Aufnahmekapazität beizuwohnen. Anscheinend kennt sie diese Reaktion schon, denn meine Tanten wussten alle schon von meiner beruflichen Veränderung. Ich versuche, meiner Cousine klarzumachen, dass die Selbständigkeit heute kein riesiges finanzielles Risiko ist. Dass es sowas Tolles wie einen Gründerzuschuss gibt. Dass es nicht (mehr?) diesen Wilder-Westen-Charme hat. Aber irgendwie ist ihr der skeptische Blick ins Gesicht gemeißelt. Es könnte vielleicht daran liegen, dass das Wort Selbständigkeit in Rumänien (”Sympatexter - Handmade in Romania”) vom Pesthauch eines zum Scheitern verurteilten Himmelfahrtskommandos umgeben war und dass Selbständigkeit sowieso was Böses ist (machen doch nur die bösen Bonzen, pfui, Marktwirtschaft. Obwohl ja jeder auf dem Schwarzmarkt quasi selbständiger Unternehmer war, aber, oh well). Oder es liegt daran, dass in meiner Familie bis vor wenigen Monaten genau null Personen selbständig waren. Heute sind es zwei: Ich. Und meine Mutter.
Thursday, June 18, 2009
Einmal was zum Thema Dunkelkammer gebloggt, und schon zeigt die Blogosphäre, was in ihr steckt. Meine taufrische Antwort an die Leute, die immer fragen, was das Bloggen denn überhaupt bringt: Zum Beispiel das hier:

Christoph, vielen Dank für die Sachen! Heute wird die Abstellkammer ausgemistet und eingeräumt. Morgen werde ich die Sachen einweihen.
Tuesday, June 9, 2009
Wir schreiben das Jahr 2009 und ich habe es tatsächlich geschafft, mich mit eBay anzufreunden. Ist ganz schön praktisch für die Einrichtung einer (Retro-) Dunkelkammer. Zig Gebote und Pakete später bin ich nun um einige Erfahrungen reicher. Auch der Fehlkauf war sehr lehrreich. Ich dachte ja, ich hätte ganz normales Fotopapier ersteigert. Aber jetzt habe ich hier drei Packen Kodak Ektaflex mit der Aufschrift: “Dieses Papier ist nicht lichtempfindlich”. Na super. Diesen Trick merke ich mir: Das Produkt schön schräg fotografieren, dass die Aufschrift nicht lesbar ist. Na gut, ich hätte vorher auch bei Google schauen können. Egal. Ist nicht tragisch. Schließlich setzt man sich nicht alle Tage mit bildgebenden Verfahren auseinander, die wegen Patentrechtsstreitigkeiten seit über 20 Jahren nicht mehr auf dem Markt sind. Und für 10 Euro (inklusive Versandkosten. Ha!) habe ich Dinge gelernt, die mich bei den Quizshows dieser Nation ganz schön schlau aussehen lassen würden.
Tja. Was mache ich jetzt mit dem Zeug? Ich nehme den Publikumsjoker und frage: A) Es einem anderen eBay-Käufer als Fehlkauf aufs Auge drücken? B) Es als Druckerpapier nutzen? (Vielleicht bleibt die Tinte ja haften. Vielleicht auch nicht) C) Damit herumexperimentieren, es trotzdem belichten und so lange durch die Chemie jagen bis irgendwas darauf sichtbar wird? (Mysteriöse Erscheinungen in der Dunkelkammer. Das ist das Zeug, aus dem Urban Legends sind) Oder D) Mir das restliche Inventar des Kodak-Ektaflex-Universums kaufen? (Ich wollte schon immer ein extrem ausgefallenes Hobby haben)…
Monday, June 1, 2009
Ich wollte ja schon immer im Sommer Geburtstag haben. Leider ist das als Januargeborene auf der Nordhalbkugel nicht ganz so einfach. Dafür hat jetzt mein Unternehmen im Sommer das Licht der Welt erblickt: Am 1. Juni. Heute! Nach kurzen Geburtswehen ist das Baby nun da. Es hat alles, was gesunde Einzelunternehmen so haben: Eine solide Finanzierung, einen Businessplan mit Händen und Füßen und stolze Großeltern. Und vor allem hat es großen Hunger und ist voller Tatendrang. Ich könnte mir jetzt selber zum nullten Geburtstag gratulieren. Aber ich glaube, das hebe ich mir für nächstes Jahr auf.
Kraft meines Amtes als Selbständige gehe ich erst mal ins wahnsinnig große Karlsruher Erlebnisbad, um auf das feierliche Ereignis auf der Riesenrutsche ordentlich anzustoßen. Hoffentlich nicht mit dem Kopf.