Meine Familie ist so groß, dass immer noch nicht jeder meiner Cousins zweiten bis x-ten Grades weiß, dass ich selbständig bin. Das ist bei meiner Familie (”Word-of-Mom”) quasi ein kleines Wunder. Letzten Sonntag durfte ich also einer meiner Cousinen zweiten Grades bei einem kleinen Familienfest mitteilen, dass ich - tadaaa - selbständig bin.
Schweigeminute.
“Mutig. [Schweigen. Skeptischer Blick] Also, ich würde mich das ja nicht trauen.”
Meine Mutter lacht sich halbtot, kriegt sich aber noch rechtzeitig unter Kontrolle, um dem folgenden Spektakel unter Vollbesitz ihrer geistigen Aufnahmekapazität beizuwohnen. Anscheinend kennt sie diese Reaktion schon, denn meine Tanten wussten alle schon von meiner beruflichen Veränderung. Ich versuche, meiner Cousine klarzumachen, dass die Selbständigkeit heute kein riesiges finanzielles Risiko ist. Dass es sowas Tolles wie einen Gründerzuschuss gibt. Dass es nicht (mehr?) diesen Wilder-Westen-Charme hat. Aber irgendwie ist ihr der skeptische Blick ins Gesicht gemeißelt. Es könnte vielleicht daran liegen, dass das Wort Selbständigkeit in Rumänien (”Sympatexter - Handmade in Romania”) vom Pesthauch eines zum Scheitern verurteilten Himmelfahrtskommandos umgeben war und dass Selbständigkeit sowieso was Böses ist (machen doch nur die bösen Bonzen, pfui, Marktwirtschaft. Obwohl ja jeder auf dem Schwarzmarkt quasi selbständiger Unternehmer war, aber, oh well). Oder es liegt daran, dass in meiner Familie bis vor wenigen Monaten genau null Personen selbständig waren. Heute sind es zwei: Ich. Und meine Mutter.