Ich finde die Vodafone-Kampagne “Es ist deine Zeit” gut.
Thursday, July 23, 2009
Denn endlich habe ich für meine Präsentationen ein deutsches Beispiel dafür, wie ein großes Unternehmen sich mit Millionenbudget in Social Media Marketing versucht und dabei scheitert.* Endlich muss ich nicht mehr nur amerikanische Beispiele zitieren.
Es gibt wohl viele Gründe dafür, warum die Diskussion derzeit eskaliert: die Tatsache, dass sich einige Testimonials der Kampagne gegen Netzsperren engagieren und zugleich Teil der Kampagne eines Unternehmens sind das Netzsperren umsetzt, unpassende Vertragskonditionen für die umgarnte Generation Upload, missglückte PR-Arbeit usw.
Ich denke, es gibt da noch einen weiteren Grund.
Jahrelanges Bullshit-Marketing in Foren und Blogs haben viele Blogger getäuscht und geärgert - so etwas wird weder vergessen noch vergeben. Agenturen wurden dafür bezahlt, Foren mit bis zur Schmerzgrenze geschönten Jubel-Beiträgen zu Produkten zu unterwandern und falsche Kundenrezensionen zu verfassen und nannten es Viral Marketing. Ist die Tarnung aufgeflogen, war der Imageschaden für das werbende bzw. täuschende Unternehmen groß. Aber der Schaden betraf nicht nur die involvierten Unternehmen. Im Laufe der Zeit summierte sich auch ein Imageschaden für (Web)Werbung im Allgemeinen. Vodafone - quasi der German First Mover im Bereich Social Media Marketing (zumindest in dieser Größenordnung) - muss nur einen klitzekleinen Fehler machen: zum Beispiel eine Pressekonferenz in Bullshitbingosprech abhalten oder seltsam anbiedernde Blogbeiträge verfassen und der Flamewar eskaliert. Die unglückliche PR-Arbeit von Vodafone zahlt derweil weiter schön aufs Konto “Schaden für Werbung im Allgemeinen” ein und pflastert den Weg für potentielle Nachfolger mit zahlreichen Hürden (inklusive Betonfundament).
* Scheitern ist relativ. Wenn Vodafone aus dieser Kampagne die richtigen Lektionen lernt, könnte es dennoch zu einem kleinen Teilerfolg werden. Immerhin hätte Vodafone dann gegenüber anderen Unternehmen einen enormen Wissensvorsprung.
July 25th, 2009 at 10:01
Hm, frag mal irgendwelche nichtbloggenden Leute, ob sie die Kampagne und das was damit schief lief überhaupt BEMERKT haben.
Ich such grad ne enue datenflat für mobil. und schwanke zwischen Vodafone und T-Com. Und warum? Netzabdeckung, denn die Preise sind Banane-gleich.
Vodafone ist wohl bei UMTS besser, TCom hat eer edge wenn ich kein UMTS habe (wobei mein Rechner bei Edge eh nicht zuckt ist dann nur fürs Handy relevant, da hab ich aber eh O2o + 10 EUR für 200 MB).
Frei nach dem Motto: Wie Werbung wirkt -> am SCHLUSS zählt, ob das Produkt tut. (Und der Typ im Shop lobt den T-Com-Support ;) ). Faktisch mehm ich also das, das tut, was ich will: Netz per Mobilfunk.
July 27th, 2009 at 19:06
@Oliver:
1) Als Nicht-Blogger habe ich von der Kampagne gar nichts mitbekommen.
2) Ich habe T-Mobile übers iPhone und Vodafone über UMTS-Karte im Notebook. Vom Netz her gibt sich das eigentlich nichts. Meine Vodafone-Software auf dem Notebook macht zwar nur Probleme, ob das T-Mobile-Pendant besser ist, weiss ich aber nicht.
July 28th, 2009 at 16:32
@Oliver
Nein, viele Nichtblogger haben von der Vodafone-Kampagne nichts mitbekommen. Ist das nun ein Argument? Und wenn ja: für oder gegen was? ;-)
Marketing muss immer zuerst am Produkt ansetzen. Wenn das Produkt schlecht ist, hat das Marketing (und das gesamte Unternehmen) ein ganz großes Problem. Aber wenn ein Unternehmen Marketing nur als “End of pipe Technology” ansieht, das das miese Produkt irgendwie an den Mann bringen soll, wird es natürlich nicht besser.
July 31st, 2009 at 13:03
Dass die Kampagne von den Nichtbloggern kaum einer wahrgenommen hat, ist doch insofern relevant, als dass sich deshalb auch die Kaufentscheidungen der meisten Leute nicht ändern werden, da sie keinerlei neue Eindrücke gewonnen haben. Klar hat Vodafone hier Einiges in den Sand gesetzt, aber daraus sollten sie wirklich lernen können. Dass die Produkte allerdings zunächst angepasst werden müssen, steht wohl außer Frage.
March 8th, 2010 at 11:57
Egal ob die Kampagne bei Bloggern oder Nichtbloggern angekommen ist, man kann nur hoffen, dass Vodafone selbst aus der ganzen Sache ihre Konsequenzen gezogen hat und in Zukunft daran arbeitet, dass so etwas in dieser Art und Weise nicht mehr vorkommt. Denn so wichtig sollten ihnen die Kunden schon sein, dass man sich jetzt endlich etwas einfallen lässt, um wieder auf den Markt zu punkten.