Gestern lag ein A5-Umschlag in der Post. Inhalt: Ein Schönschreibheft. Ich hätte ja nie gedacht, dass ich dieses Wort (”Schönschreibheft”) nach der Grundschule jemals wieder in den Mund (bzw. Hand) nehmen würde, aber das Bloggerdasein verhilft einem eben zu ungeahnten Erfahrungen.

Nach dem etwas verhaltenen Aufschlagen des Heftchens wurde es mir zwischenzeitlich ganz warm ums Herz:
Ein handgeschriebener Text! Unfassbar! Als ich die Kinorezension zu Ice Age 3 geschrieben habe, habe ich mir tatsächlich an jener Stelle überlegt, ob da ein Komma hingehört. Da ich mich aber sowieso für sehr großzügig halte, was die Kommasetzung angeht, habe ich hier darauf verzichtet - was mir eine 1 minus eingebracht hat. Und ja, ich muss zugeben, seit ich meine Worterfindungen blogge, habe ich mir unter der Bettdecke einen heimlichen Traum zusammengeschustert, dass ein Wort des Tages in einem Wörterbuch landet, wenn nicht sogar im Duden! Das sind die heimlichen Sehnsüchte eines Sympatexters.

Dann noch eine personalisierte Landing-Page:
Und fertig ist eine schöne Direktmarketingaktion.
Warum schön?
- Ein persönliches Mailing, liebevoll zusammengestellt und handgeschrieben. Jeder Text ist ein Unikat: Da hat sich jemand in das jeweilige Blog eingelesen und verstanden, dass Sprache für den jeweiligen Blogger einen hohen Stellenwert hat. Diese persönliche Ansprache und Auseinandersetzung mit dem eigenen Hobby ist in einer ein-Blick-wegklick-Aufmerksamkeitsökonomie sehr charmant.
- Komplimente - ohne sich anzubiedern.
- Relevante Inhalte und Hinweis auf für die Zielgruppe sehr nützliche Dienstleistungen und Produkte.
- Alles kann, nichts muss: Der Empfänger kann, wenn er will, sich online ein Freiexemplar (Pons - Die deutsche Rechtschreibung) bestellen. Die Tatsache, dass ich selbst entscheiden kann, ob ich es mir bestelle, wirkt sehr unaufdringlich - was ich als sehr positiv empfinde. Hätte ich es ungefragt geschenkt bekommen, hätte es für mich ein Gschmäckle gehabt. Ganz so, als ob jemand meine Meinung kaufen wollte.
- Der erklärte Wille, sich zu verbessern: Pons bietet mindestens zwei Feedbackkanäle (entweder über den “Jetzt bewerten”-Button oder per Email. Ich bin sicher, Feedback per Twitter wird auch gerne angenommen). Da helfe ich doch gerne mit, wenn ich so nett gefragt werde. Ganz ohne das Gefühl, jemandem verpflichtet zu sein.
Was lernen wir daraus:
- Auch ein Unternehmen, das triste Printwerbung macht, ist offen für neue Wege.
- Es muss nicht immer Massenmarketing sein. Je spitzer die Ansprache, umso hochwertiger der Werbekontakt. Und spitz geht mit der Gießkanne erfahrungsgemäß nicht.
- Social Media Marketing kann tatsächlich funktionieren, wenn man sich Mühe gibt und nicht die falschen Web2.0-B(e)rater ins Haus holt.
Natürlich gibt es da noch das Thema unerbetene Werbung. Manche sagen auch Spam dazu. Ich persönlich finde es ziemlich uncool, wenn das Impressum zu Werbezwecken missbraucht wird. Eigentlich. Denn Spam ist ja nur deswegen so nervig, weil er sinnlos oder sogar gefährlich ist. Wenn mir aber ein Nigerianer tatsächlich mal das Erbe seines reichen Großonkels schenken würde, hätte ich natürlich nichts gegen Spam. So auch bei Pons. Eigentlich finde ich es doof, unerbetene Werbung zu erhalten. Aber wenn es in dieser Form geschieht, finde ich das ziemlich gut. Andererseits kann man hier auch mal die Spieltheorie bemühen: Wenn das nun jedes Unternehmen so machen würde wie Pons, würde ich mich vielleicht wieder über eine unpersönliche Email freuen. Marketing ist also immer ein Katz-und-Maus-Spiel. Solange man etwas Neues macht, hat man damit Erfolg. Wie die ersten Spammer, die heute Millionäre sind. Aber alles, was erfolgreich ist, findet auch Nachahmer. Dadurch wird die Konkurrenz sehr viel größer und die Zielgruppe bildet sofort Abwehrmechanismen, so dass der Gewinn gleich auf zwei Seiten wegbricht.
Nach kurzer Recherche fand ich heraus, dass die VM-People an der Aktion beteiligt sind. Meine letzte Erfahrung mit dem VM People war das Alternate-Reality-Game “Hustle the Sluff” 2006 in Berlin. Die Aktion war solalanaja, ich kann mich kaum erinnern, was eigentlich beworben wurde. Irgendwas von T-Mobile. Ich weiß noch, dass wir mit so einem Mercedes-Oldtimer durch die Stadt fuhren und irgendwelche Rätsel lösen mussten. Es war ganz gutes Futter für meine Diplomarbeit über Virusmarketing und hat den Anhang mit ein paar Seiten bereichert. Das Drumherum dagegen war ziemlich toll. Ich war mit Rozana in Berlin, hatte viel Spaß und habe neue Leute kennengelernt, wie z.B. Andreas, Alexander und Henning, der seitdem auch zur wöchentlichen Sneak-Runde dazugehört.
Tja, insofern: Danke, Marketing.


July 24th, 2009 at 22:08
Ah, du also auch… :-)
July 27th, 2009 at 09:10
[...] Post! Post? Pons! | Sympatexter Sehr schöne Analyse der gelungenen Pons-Zeugnisaktion- von Judith Böhm / Sympatexter. Meins kam in der Tat genau an dem Tag an dem auch meien Kids Zeugnisse hatten (1-, weiß nicht wie lange die suchen mussten, bis sie hier ein so fehlerfreies Posting gefunden haben ) (tags: pons marketing weblogs blogger relations) [...]
July 27th, 2009 at 11:04
links for 2009-07-27…
Post! Post? Pons! | Sympatexter
Sehr schöne Analyse der gelungenen Pons-Zeugnisaktion- von Judith Böhm / Sympatexter. Meins kam in der Tat genau an dem Tag an dem auch meien Kids Zeugnisse hatten (1-, weiß nicht wi…