Auto einladen, den Stuttgarter Kessel hochfahren, Bruder und seine Freundin abholen, nach Bamberg fahren, im Hotel einchecken, schnell schick für die Hochzeit der Cousine x-ten Grades umziehen und dann feststellen, dass wir noch über eine Stunde Zeit haben bis zur kirchlichen Trauung. Tja, was machen wir nun? Ach, vor dem Hotel gibt es einen KIK. Wir vier also in Abendgarderobe (ich im Abendkleid) rein ins KIK und uns umgeschaut. Wir waren schließlich noch nie im KIK-Wunderland und hey, da gibt es nicht nur Klamotten, sondern auch Pustefix-Derivate. Davon gleich mal 4 Stück für die Hochzeit mitgenommen. Mein Bruder hat da sogar einen Tennisschläger gefunden. Apropos mein Bruder: Bei diesem Ausflug ins KIK-Wunderland habe ich ihn ein bisschen besser kennengelernt und festgestellt, dass er ein Mensch ist, der Klamotten ohne Anprobieren kauft. Unfassbar aber wahr. Sein Spruch zum neuen Batman-Shirt: “das ist doch Größe M. Was soll denn da nicht passen?”.
Aber das nur nebenbei. Bei der Hochzeitsparty wurde es dann richtig lustig. Einige Familienmitglieder sehe ich nur alle paar Schaltjahre, deshalb ist eine der ersten Fragen die ich beantworten darf/muss immer “und, was machst du jetzt?”. Meistens mit Betonung auf “jetzt”. Ich so: “ich bin selbständig”. Mein Gegenüber zögert. Selbständigkeit scheint also auch in diesem entlegenen rumänischen oder ungarischen Zweig der Familie sehr unüblich zu sein. Nächste Frage: “Mit was hast du dich denn selbständig gemacht?”. Ich so: “Marketing”. Er so: “Und damit kann man sich selbständig machen?”.
“JAHA, VERDAMMT NOCHMAL!” - hätte ich noch vor einigen Monaten gedacht (und vielleicht auch gesagt). Damals habe ich mich ein bisschen auf den Schlips getreten gefühlt, wenn jemand mich sowas gefragt hat. Der Selbständige muss halt nicht immer Anwalt, Journalist oder Ingenieur sein. Auch der gemeine beratende Betriebswirt kann sich in die Reihe der Selbständigen einreihen. Mittlerweile bin ich da ein bisschen entspannter. Steter Tropfen höhlt den Sympatexter.