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Ruhet in Frieden, liebe Social-Media-Dinger


Tuesday, May 3, 2011

Ach, ein Elend dieses Bloggen.

Man muss sich Geschichten ausdenken und diese dann auch noch formulieren. Mal fehlt die Zeit dafür. Aber immer öfter die Muse. Das kam in den letzten Jahren schon öfter vor, aber so bloggensmüde wie jetzt war ich noch nie. Mein Eindruck:

† Blogs (2011)

Blogs sind tot. Einige sind vielleicht noch am Röcheln. Die Symptome: Viele meiner Bloggerfreunde bloggen, wie ich, kaum noch. Und ich lese keine Blogs mehr. Wenn ich nicht gerade zufällig bei Facebook oder Spiegel Online auf einen Bloglink klicke, verirre ich mich nicht mehr auf Blogs. Die Ursachen? Keine Ahnung. Aber es gibt noch mehr Webzweinull-Opfer in meinem digitalen Leben:

† RSS Feeds: Nutzt die noch jemand? Seit ich keine Blogs mehr lese, ist auch mein RSS Reader arbeitslos.

† ICQ: Das nutzen laut einiger mir bekannter Teenies nur noch Spackos. Wurde bei mir durch Facebook, aber vor allem durch Skype verdrängt.

† Flickr: Ich habe meinen Flickr-Pro-Account nicht verlängert, weil mich Flickr NERVT! Dieses ständige Rumgeklicke nur um ein Bild herunterzuladen! Und die ewige Frage: Warum kann ich ohne externe Plugins keine ganzen Sets herunterladen? Warum können meine Eltern nicht mit einem Mouseklick die Bilder vom letzten Familienfest herunterladen? Deshalb nutze ich mittlerweile lieber Picasa auch wenn dort der Community-Aspekt fehlt. Egal. Für 5$ habe ich bei Google quasi unerschöpflichen Speicherplatz gekauft. Und ich weiß ja sowieso, dass meine Eltern meine Bilder “liken”.

† GMX: Chancenlos vertrieben durch Gmail: Gmail hat einfach mehr kostenlosen Speicherplatz und nervt nicht mit Werbung die den Axtmörder in einem rauskitzelt. Bei Web.de wars noch schlimmer. Deshalb bin ich vor x Jahren zu GMX gewechselt.

† Xing: Nein, LinkedIn hat bei mir nicht Xing gefressen. LinkedIn ist nämlich auch doof. Beides dümpelt zwar noch vor sich hin und wird zunehmend durch Facebook verdrängt.

† Twitter: Traurig aber wahr, aber geht da noch was? Wurde bei mir von Facebook verschlungen.

Facebook und Google haben also für mich ziemlich viele dienste obsolet gemacht. Lange war Google der einzige hell strahlende Stern an meinem digitalen Himmel. Irgendwann kamen mein Blog, Flickr und Twitter dazu und glitten wieder schnell in die Passivität. Und dann kam Facebook. Endlich hatte ich wieder über einen längeren Zeitraum Spaß am Web2.0. Aber in den letzten Monaten passiert das Unfassbare:

† Facebook

Facebooks Stern ist am Verglühen. Das was Twitter zu Fall gebracht hat, verdirbt mir jetzt auch bei Facebook die Laune: Zu viele passive Mitglieder. Alle schauen nur noch zu und kaum einer macht noch etwas. Es passiert nichts mehr. Und: Zuviel Spam. Bei jedem Klick muss man aufpassen, dass man nicht seine Freunde mit irgendeinem Scheiß vollspamt und sie einen dann für einen Social-Vollidioten halten. Dann klickt man doch lieber gar nichts mehr.

Und was bleibt?

Eine digitale Monokultur.

Schlecht.

Was kommt?

Mobile.

Oh yeah.

Update: Und da ich gerade so einen Lauf habe:

† Blogrolls: Ein Überbleibsel auf vielen Blogs aus der gefühlten Web-Antike. Man klickt sich heute aber nicht mehr von Blog zu Blog, sondern von Facebook zu Blog.

† Friendfeed: Hat bei mir ein bisschen länger überlebt als Google Buzz. Beides hat mich aber noch nie überzeugt.

† Social Bookmarking: Delicious fand ich anfangs toll, aber je weniger ich mich mit Blogs beschäftigt habe, umso unwichtiger wurden für mich diese ganzen Bookmarking-Dinger.

9 Responses to “Ruhet in Frieden, liebe Social-Media-Dinger”


  1. Christopher Says:

    Nix Monokultur. Dein Blog ist ein Obstgarten (not Plantage). Bin übrigens per RSS hier.

  2. Sympatexter Says:

    Danke! :-)

    Ich habe mir auch schon überlegt, meinen RSS-Reader zu entmotten. Weil: Vom Nichtstun wirds ja nicht besser, nicht wahr? Aber welche Blogs soll ich lesen? Die meisten von früher interessieren mich überhaupt nicht mehr. Tipps?

  3. Dentaku Says:

    Eine digitale Monokultur? Woraus besteht die denn dann? Wohin schreibst Du denn dann … Dinge?

    (RSS scheint noch zu funktionieren, sonst wäre auch ich nicht hier — ICQ allerdings ist wirklich tot.)

  4. Sympatexter Says:

    Das ist es ja: Ich schreibe keine… Dinge mehr ins Internet. Oder sagen wir: kaum noch. Irgendwie traurig. Aber das scheint nicht nur mich zu betreffen: Rozana und Ralf bloggen auch nicht mehr.

  5. Dentaku Says:

    Ja, tatsächlich schade. Ich schreibe ja wenigstens noch twitter voll (was auch ein Jammer ist, da ich früher einen ganzen Blogartikel schreiben konnte für viele Sachen, die heute in einen Tweet gepackt werden). Aber immerhin ist das Publikum dadurch größer geworden…

  6. Sympatexter Says:

    Das Publikum ist größer geworden? Ich habe da so meine Zweifel und zitiere das Law of Raspberry Jam: “The wider any culture is spread, the thinner it gets.”
    Wer liest denn bei Twitter noch? Ich habe das Gefühl, dass die Zahl, die da als meine Follower ausgewiesen wird nicht mehr wahrnimmt, was ich da so schreibe. Weil zuviele zuvielen folgen und viele sowieso nicht mehr mitlesen.
    Also: quantitativ ist das Publikum größer geworden. Qualitativ nicht.

  7. Christoph Says:

    Via Blogpost das Ende der Blogs zu beklagen, ist sowas von post-irgendwas…
    Der RSS-Reader lebt aber noch und erfreut sich ungebrochener Beliebtheit, z.B. für Nachrichten-Krams und ein paar wenige (es waren selten mehr) private Blogs (u.a. Deine).
    Mit dem Mobil-Hype habe ich ja wenigstens die Hoffnung, dass die Leute auch mal wieder vor die Tür gehen und nicht nur im dunklen Kämmerlein vor dem Rechner hocken…

  8. Sympatexter Says:

    Christoph, ich habe leider gerade keine Tageszeitung zur Hand, um meine Meinung kundzutun ;-)

  9. Christoph Says:

    Ja siehste, so schlimm kann’s um die Blogs doch gar nicht stehen, immerhin reicht’s noch für ‘ne Meinung ;)
    The revolution will not be telegraphed?

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