Schon faszinierend, was man bei der Wohnungssuche so erlebt. Ok, ich muss zugeben, dass ich auch diesmal wahnsinnig großes Glück gehabt habe. Kaum eine Woche gesucht und schon fündig geworden. Wie schon die 3x vorher (in Hamburg, Künzelsau und Stuttgart). In 75 % der Fälle wurde ich von der Abzocker-Makler-Gebühr verschont und das eine mal war zumindest die Kaltmiete, an der diese Gebühr bemessen wird, so niedrig, dass ich das ohne allzu großen Groll auf die Menschheit und den deutschen Gesetzgeber verschmerzen konnte.
Was ich als Trend beobachte: Die Fragen der Makler/Vermieter werden immer persönlicher - und dreister. Eine sehr interessante Erfahrung war ein Telefongespräch mit einer Maklerin irgendwann diesen August. Ihre erste Frage lautete, was denn mein Mann arbeite. Ich antworte: Mein Freund ist Student. Ja, und wie könnten wir dann unsere Miete zahlen? Ich arbeite, bin selbständig… Die Antwort: Selbständig? Oh meine Güte! Der Rest des Gesprächs ging im geistigen Nebel meiner Empörung unter. Ich erinnere mich nur noch daran, dass sie gemeint hat, sie müsste sich ja irgendwie gegen Mietnomaden absichern. Auf meine Frage, ob sie denn wirklich glaubt, mit so ein paar Fragen Mietnomaden erkennen zu können, hatte sie keine Antwort. Still und heimlich fragte ich mich, warum Makler diese ganze Fragerei veranstalten, wenn sie doch sowieso jeden Interessenten bei der Schufa unter die Lupe nehmen. Fazit: Diese Wohnung habe ich mir nicht angeschaut.
Bei meinem letzten Wohnungswechsel (2006) wurde ich nur danach gefragt, was ich so arbeite. Damals war es vollkommen ausreichend, dass ich meine Arbeit mündlich beschrieben und das auf einen Zettel notiert habe. Keiner hat gefragt, ob ich angestellt oder selbständig sei. Heute muss ich belegen, dass ich angestellt bin. Am besten mit Kopien der letzten x Gehaltszahlungen. Womit wir auch schon beim Problem wären: Ich kann leider keinen schicken Datev-Ausdruck mit einer regelmäßigen, gleich hohen Gehaltszahlung vorlegen. Ich bin selbständig und verdiene mal mehr, mal weniger. Für Miete, Essen, Klamotten, ein schönes Leben und Nah-, Fern- und Interkontinentalverkehr hat es bisher immer gereicht. Aber wie ich erfahren musste, werden heutzutage Wohnungen kaum noch an Selbständige vermietet. Woher die Mär kommt, Selbständige hätten weniger Geld, weiß ich nicht. Aber dieser Denkweise bin ich anfangs auch in meiner Familie begegnet (”Du bist selbständig? Ist das nicht viel zu riskant? Was machst du eigentlich? Und damit kann man Geld verdienen? Blablabla?”).
Die Lehre, die ich daraus gezogen habe: Never ever Makler again, nicht mal mehr zum Wohnungs-Anschauen-Üben. Alles nur noch über privat. Damit erspart man sich nicht nur die unverschämt hohe Courtage, sondern auch die doofen Fragen. Zudem kann man ganz ehrlich sein, ohne gleich vor die Haustür komplementiert zu werden. Ja, ich bin selbständig. Ja, mein Freund hat noch keinen Job. Hat es den neuen Vermieter interessiert? Nein. Aber wir haben einen guten Eindruck gemacht und seit dem 1. September wohnen wir im Grünen.