10 Sekunden – höchstens. Mehr brauche ich nicht, um zu entscheiden, ob ich jemandem auf Instagram folge. In diesen 10 Sekunden checke ich ein Profil nach zig Kriterien ab, das geht alles rasend schnell. Meistens muss ich nicht mal auf einen Beitrag klicken, um zu wissen: Dieser Person möchte ich nicht folgen. Aber welche Kriterien sind das genau, die mich vom Zurückfolgen abhalten? Hier meine wachsende Liste an Gründen, warum ich nicht zurückfolge:

Der erste Insta-Eindruck: Deine Bio

An dieser ersten Hürde scheitern schon die meisten Profile – dabei wäre es so einfach, hier einfach mal aufzuräumen und für einen guten ersten Eindruck zu sorgen.

  1. Du hast ein verborgenes Profil: Das oberste, wichtigste Totschlagargument für mich: Ich sehe dein Profil und deine Bilder nicht. Wie soll ich dann entscheiden, ob es sich lohnt, dir zu folgen?
  2. Du hast keine Bio und kein gescheites Profilbild: Kein Text in deiner Bio? Garantiert kein Zurück-Follow von mir.
  3. Deine Bio ist seltsam: Kryptische Aussagen, nur Emojis in der Bio, eine wirre Hashtag-Sammlung, kein Link zur eigenen Homepage. Wenn ich nur Bahnhof verstehe, folge ich dir nicht. Auch solche Aussagen wie „All pics are mine“ sind für mich Warnzeichen (ey, warum schreiben das die Leute??).
  4. Du hast ein Auto als Profilbild: Das war schon bei Kwick blöd. Kennt noch jemand Kwick? :-D Ok, ein Motorrad auf dem Profilbild finde ich auch uncool. Und ja, ein Logo als Profilbild ist auch nicht so geil.
  5. Du bist ein Mann aus Irgendwo auf der Suche: nach einer Frau, nach einem Tandem- oder Geschäftspartner, nach Sex, nach dem Stein der Bitcoin-Weisen, nach einem Gesprächspartner weil dein Leben als Soldat so herausfordernd ist, …
  6. Dein Verhältnis von Followern/Abonnenten ist unnatürlich: Du hast 50 Follower aber folgst 1.000 Leuten? Bist du ein Bot? Apropos…
  7. Du folgst mehr als 1.000 Leuten: Da kriege ich das Gefühl, dass für mich nicht mehr viel von deinem Aufmerksamkeits-Kuchen übrigbleibt. Ich rieche das Follow-Unfollow-Game und frage mich natürlich: Du hast tausend(e) Follower und folgst dann ausgerechnet mir? Meine Erfahrung sagt mir hier einfach: Dass du mir folgst, ist mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit ein eher kurzlebiges Vergnügen. Das gilt nicht, wenn wir eine Beziehung zueinander haben und du z. B. auch im Bereich Text unterwegs bist und ich davon ausgehen kann, dass du ein echtes Interesse an meinen Inhalten hast.
  8. Ich spreche nicht deine Sprache: Mein Account ist auf Deutsch und bin immer wieder irritiert, wenn mir Leute aus Irgendwo folgen, deren Profile kein deutsches Wort enthalten. Und klar: natürlich folge ich nicht zurück, wenn ich die Sprache der jeweiligen Person nicht spreche.
  9. Ich sehe nirgendwo, wie du heißt. Ganz oft „heißen“ diese Leute sowas wie „Performancecoach“ oder „Hypnosepraxis“ – aber weit und breit ist kein eigener Name zu sehen. Wenn du dann auch keinen Link zu einer eigenen Webseite hast, folge ich dir nicht.

Der zweite Eindruck: Deine Bilder

Ok, angenommen, du hast die erste Hürde genommen: Deine Bio scheint erst mal vielversprechend. Als nächstes schaue ich mir deine Bilder an – und zwar die ersten ca. 15 bis 30 Bilder, die am Handy sichtbar sind. Ich scrolle also etwas nach unten und lasse deine Bilder ca. 3 Sekunden auf mich wirken. Wenn ich dir nicht folge, liegt es an diesen Gründen:

  1. Dein Grid sieht aus wie Kraut und Rüben: Deine Bilder haben kein visuelles Konzept: Hier Zitat, dort ein Selfie, dann drei Katzenbilder nacheinander, ein Stockfoto, dann wieder ein Zitat (natürlich in einem ganz anderen Design als das erste Zitat). Du benutzt sehr viele unterschiedliche Schriften und Textfarben auf den Bildern, es ist das reinste Durcheinander. Das verursacht bei mir ästhetischen Stress.
  2. Deine Bilder enthalten fast alle Text und der sieht nicht gut aus: Ich bin echt empfindlich, wenn es um Typographie geht. Postings voller Text, am besten mit x verschiedenen Schriften und, der Oberknaller, mit Text, der links und rechts seitlich am Bild abgeschnitten ist, sind für mich ein No-Go. Viel Text ist ok, wenn er optisch ansprechend ist und du z. B. Texterin bist – wie ich, Yay!!
  3. Ich erkenne auf deinen Bildern nicht sofort, um was es bei dir geht: Du postest nur Wohlfühlbilder und Lebe-deinen-Traum-Texte – bist du Life-Coach? Was ist dein Thema? Sag’s mir bitte, ich bin neugierig!
  4. Du hast erst ein paar Postings und die haben schon hunderte Likes. Entweder bist du voll der Hashtag-Experte oder… auch nicht und du hast Likes gekauft. Keine Ahnung, es wirkt einfach seltsam.
  5. Du hast sehr viele Follower aber kaum Likes oder Kommentare pro Bild. Das riecht nach gekauften Followern und nach einem künstlich aufgepumpten Profil.
  6. Deine Bilder sind verpixelt, verwackelt und low quality – aber nicht auf eine künstlerische bzw. schicke Weise
  7. Deine Postings bestehen aus Stockfotos: Ich habe einen guten Riecher für Stockfotos: Grafik-Design-Studium, Werbetext-Ausbildung und jahrelange Arbeit in/für Werbeagenturen haben mein Auge geschult. Ich nutze selbst oft Stockfotos bei Instagram wie z. B. bei meinen Wörtern des Tages. Diese Bilder sind dann aber nur ein kleines Beiwerk und nicht die Hauptzutat meiner Postings.
  8. Dein Grid besteht (fast) nur aus Selfies: selbst wenn die Selfies gut sind: puh… vielleicht checke ich dann noch den ein oder anderen Beitrag ab und schaue, was du da geschrieben hast. Wenn da nichts sinnvolles steht, komme ich definitiv nicht in Versuchung, den Follow-Button zu streicheln.
  9. Du postest unvorteilhafte Bilder von dir selbst – und zwar vollkommen unironisch. Ich bin so ein empathischer Mensch, dass ich mich bei solchen Profilen sofort fremdschäme. Dieses unangenehme Gefühl will ich nicht regelmäßig haben, wenn ich durch meinen Feed scrolle. Wie das mit dem ironischen Posten von unvorteilhaften Bildern geht, zeigt die grandiose Celeste Barber.
  10. Du bist ein Poser-Protzer: Du bist auf jedem Bild in deinem Grid in unterschiedlichen Poser-Posen zu sehen (auch Posie genannt. Ist quasi die nächste Stufe des Selfies): am Strand, am Pool, nachdenklich sitzend in einem Straßencafé, auf einer Felsklippe den Sonnenuntergang bewundernd und so weiter.
  11. Zu viele Videos auf deinem Profil. Und dann auch noch ohne Untertitel :-o Ich bin ja der Typ Blogleser: Lieber lese ich 10 Artikel als auch nur ein einziges Video anzuschauen. Davon ausgenommen sind Reels (sofern sie gut sind) und Stories. Weil: Kurze Videos sind dann doch wieder irgendwie ok.
  12. Bei deinen letzten 15 Bildern ist keines dabei, das mich zum Anklicken motiviert. Oder ganz hart ausgedrückt: Ich finde dein Profil einfach langweilig. Aaaber, bitte nicht gleich empört wegklicken: Was langweilig ist, ist sehr subjektiv. Wir werden nie Inhalte entwickeln können, die jeder gleich interessant findet.
  13. Dein Thema interessiert mich nicht: Du kannst noch so schöne Fotos haben aber wenn mich dein Thema nicht interessiert, werde ich nicht zurückfolgen. Zum Glück interessiere ich mich aber für so ungefähr alles :-D

Deine Texte

Jetzt geht’s ans Eingemachte: Ich klicke tatsächlich auf einen deiner Beiträge. Was ich dort finde, macht den Unterschied zwischen Follow oder No-Go.

  1. Dein Grid besteht nur aus Zitaten und Kalendersprüchen: Carpe diem – gerne woanders.
  2. Du nutzt Instagram fast nur zum Verkaufen: Pitch hier, Webinar da: Deine Postings drehen sich nur um deine Angebote. Dein ganzes Profil ist darauf getrimmt, zu verkaufen. Du redest nicht über Themen, sondern über Produkte – ganz egal, ob das deine eigenen oder fremde Produkte sind.
  3. Kein/kaum Text bei deinen Postings. Die Steigerung: Du schreibst in deinen Beitragstexten fast nur Hashtags.
  4. Du postest ständig Tipps, die ich nicht gut finde. Oder du postest Anfänger-Themen, über die ich schon hinaus bin. Oder irgendwelche Banal-Tipps.
  5. In deinem Profil und Grid kommt null Persönlichkeit rüber: Oberflächliche Texte, glattpolierte Bilder –> Kein Interesse.
  6. Überall Schreibfehler! Und zwar nicht nur im Beitragstext, sondern, autsch, auch auf dem Bild. Klar, ein Schreibfehler, ein Buchstabendreher oder ein Auto-Correct-Fail kann schon mal passieren. Aber wenn es überhand nimmt, macht das Lesen deiner Beiträge einfach null Spaß.
  7. Du benutzt zu viele Emoticons, Smileys und Ausrufezeichen!!1! ;-)
  8. Dein Profil ist offensichtlich rassistisch, sexistisch oder sonstwie menschenfeindlich: Konföderierten-Flagge hier, „All Lives matter“ da – puh… Wenn ich irgendwo Verschwörungsmythen sehe, erübrigt sich für mich das Folgen ebenfalls.
  9. Ich finde weder Information noch Unterhaltung auf deinem Profil. Mehrwert ist ja immer relativ. Ich bin nicht der Typ, der ständig Informationen, Anleitungen und How-Tos lesen will. Für mich ist auch Unterhaltung ein großer Mehrwert. Wenn ich das nicht auf deinem Profil bekomme, folge ich dir nicht.

Dein Verhalten auf Instagram

Entweder sehe ich sofort Dinge, die mich abtörnen und folge dir daher nicht zurück – oder die Gründe, die ich hier aufliste, führen dazu, dass ich dich womöglich wieder entfolge.

  1. Du hast schon seit Ewigkeiten (> 1 Monat) nichts mehr gepostet.
  2. Du schreibst mir aufdringliche Nachrichten oder schickst mir Audios mit dem Angebot eines kostenlosen Power-Talks und betonst, wie obertoll du mein Profil findest (aber gehst auf nichts konkretes ein) und erwähnst, dass du mir garantiert nichts verkaufen willst. Dein Text klingt unnatürlich abgelesen. Echt, ich hasse Audios! Ausnahmen mache ich nur für meine Freunde. Wenn du dann noch in deinem Profil schreibst, dass du ein Social-Media-Experte bist aber unter 1.000 Follower hast, hast du mich immerhin zum Lachen gebracht.
  3. Du schickst mir automatisierte Out-of-Office-Nachrichten, sobald ich dir eine Message schreibe. Geschäftszeiten bei Instagram – really?
  4. Du beantwortest keine Kommentare und Messages. Das gilt natürlich nicht für große Accounts, da ist ja klar, dass die täglich hunderte/tausende Kommentare und Messages bekommen und natürlich nicht darauf antworten können. Aber wenn kleine Profile nicht antworten, finde ich das irritierend.

Also: How to Instagram? Wie geht es besser?

Ganz einfach: Setze dein Profil auf öffentlich, schreibe eine gute Bio, mache ein gutes Profilbild rein (auf dem man dich gut erkennt), verlinke deine Webseite und poste Inhalte, die du auch dann gut finden würdest, wenn sie nicht von dir selbst stammen würden ;-) Gib mir einen „Haken“, an dem ich hängenbleiben kann: Themen, Fragen, Gedanken, die mich dazu animieren, dir zu antworten. Frage dich selbst: Warum poste ich eigentlich? Was ist mein Ziel? Mein persönliches Ziel ist es, meine Themen zu setzen und mit den Menschen (mit dir?) ins Gespräch zu kommen. Lass uns ein Gespräch anfangen und eine Beziehung aufbauen, die dem Wort „Beziehung“ wirklich gerecht wird.

Mein aktuelles Instagram-Profil vom 25. Januar 2021: Ich folge wieder zu vielen Profilen, muss dringend mal wieder ausmisten :-D Ich bin eine Text-Posterin bei Instagram, aber gut, ich bin ja auch ein Sympatexter ;-)

Warum ich Insta-Profilen, die ich auf den ersten Blick nicht gut finde, manchmal doch folge.

Es gibt viele Gründe, warum ich gegen meine eigenen „Follow-Regeln“ verstoße:

  • Weil die Menschen Kunden von mir sind
  • Weil ich die Menschen dahinter persönlich kenne (dann gelten wieder andere Regeln) oder ich irgendwie sonst eine Beziehung zu ihnen habe. Zum Beispiel weil wir uns viel hin und her kommentieren
  • Sie sind Teilnehmer meiner Challenge und ich will ihre Stories sehen (und ich will nicht immer ihre Profile manuell suchen müssen)
  • Weil ihre Stories gut sind
  • Als ich ihnen damals gefolgt bin, war ihr Profil noch nicht so langweilig wie es das heute ist
  • Weil ein Posting sagenhaft gut war

Wir sollten uns regelmäßig fragen: Warum folgen wir einem Instagram-Profil?

Das sind wichtige Fragen: Macht uns ein Instagram-Account beim Anschauen Freude? Wie fühlen wir uns dabei? Und wie soll unsere digitale Sphäre aussehen? Mit jedem Like, mit jedem Kommentar, mit jedem abonnierten Account setzen wir unsere digitale Sphäre wie ein riesiges Puzzle zusammen und entscheiden, wie unser Feed in Zukunft aussehen wird. Selbst wenn wir beim Scrollen nur länger bei einem Bild verweilen, uns z. B. durch mehrere Bilder eines Karussell-Postings klicken, registriert das der Algorithmus und deutet unsere Handlung als Interesse. Also werden uns in Zukunft mehr ähnliche Postings angezeigt.

Viele Menschen folgen anderen Accounts weil sie denken, das Zurückfolgen sei höflich. Gerade, wenn jemand frisch bei Instagram ist, ist das ein häufiges Muster. Und, zack, hat man einen Feed voller Kraut und Rüben. Hier gilt: Mehr Mut zum Nichtfolgen!

Mein Tipp: Im Zweifel: einfach nicht zurückfolgen. Und: Regelmäßig ausmisten.

Ariana Huffingtons LinkedIn-Posting vom 25. Januar 2021: How to KonMari your Feed.