"Das kann ich nicht!", "Ich bin nicht gut genug in xyz!" - 7 Tipps gegen das Imposter-Syndrom | Sympatexter

„Das kann ich nicht!“, „Ich bin nicht gut genug in xyz!“ – 7 Tipps gegen das Imposter-Syndrom

Massive Selbstzweifel was die eigenen Kompetenzen angeht. Das Gefühl, dass das letzte tolle Projekt (1 a mit Sternchen) nur das Ergebnis von Zufall oder glücklichen Umständen war. Die Angst, beim nächsten Projekt zu versagen. Überrascht vom eigenen Erfolg zu sein. Ständige Anflüge von Selbstsabotage und Nicht-in-die-Puschen-Kommen. Eine riesige innere Barriere beim Gedanken daran, als Expertin sichtbar zu werden. Und so weiter und so fort.

Die Liste an Symptomen des Imposter Syndroms ist lang – und der Weg, diese lästige Versagensangst loszuwerden, ebenfalls. Aber die gute Nachricht: das Imposter Syndrom ist nicht angeboren, sondern erworben. Und man kann es wieder loswerden. Bei der „Genesung“ vom Imposter Syndrom lautet das Motto: „Der Weg ist das Ziel“. Wichtig dabei ist es, die eigenen Erfolge zu erkennen und zu internalisieren.

Ich als gefühlte Godmother of Imposter Syndrom habe in den letzten Monaten festgestellt: mein Imposter Syndrom hat massiv abgenommen. Das ist das Ergebnis (bzw. Work in Progress) von „Umbauarbeiten“ an meinem Mindset, die ich seit Januar 2018 intensiv betreibe. Hier fasse ich zusammen, was mir persönlich geholfen hat, meine Selbstzweifel zu bekämpfen.

1. Werde dir bewusst, dass du vom Imposter Syndrom betroffen bist!

Der Augenblick, in dem ich erkannt habe, dass dieses sogenannte Imposter Syndrom quasi meine ganze Denkweise beeinflusst, war ein absoluter AHA-Moment. Endlich hatte das einen Namen! Dieser AHA-Moment hat sich wiederholt, als ich erfahren habe, dass diese Denkweise nicht in Stein gemeißelt ist. Der Gedanke ich kann es ändern, hat für mich erst den Prozess der Umbauarbeiten an meinem Mindest in Gang gebracht. Das Imposter Syndrom ist nur ein Mindfuck. Mehr nicht. Wie ein vermeintliches Monster unter dem Bett. Und: es ist nicht alles schlecht am Imposter Syndrom. Zum Beispiel sind fast nur überdurchschnittlich ehrgeizige und kompetente Menschen davon betroffen. Weitere Vorteile des Imposter Syndroms habe ich hier zusammengefasst.

2. Halte dir ständig deine eigenen Erfolge, Fortschritte und Leistungen vor

Ob Erfolgstagebuch oder Kanban-Board – es ist egal, wie du deine Erfolge festhältst, aber wichtig ist, dass du es tust. Dafür musst du deine Erfolge aber zunächst selbst erkennen. Das können auch kleine Dinge sein, denn ein „Erfolg“ ist nicht immer nur z. B. der Abschluss eines großen Projekts, sonder kann auch das Erreichen eines Meilensteins während eines Projekts sein. Gerade Leute mit dem Imposter Syndrom neigen dazu, kleine Erfolge nicht zu erkennen bzw. selber ihre Erfolge runterzumachen. Mir persönlich hilft es sehr, ein Bullet Journal zu führen. Dabei schreibe ich mir jeden Tag meine To-do’s auf und hake sie im Laufe des Tages ab. So sehe ich am Ende des Tages immer, was ich geleistet habe und verfalle damit gar nicht in dieses lästige „Ach, heute habe ich doch gar nichts richtiges gemacht“-Denken.

3. Setzte dir Deadlines und gib dir keine Zeit zum Zerdenken

Kaum etwas hilft mir so gut, ins Machen zu kommen und die Zweifel und den Perfektionismus hinter mir zu lassen, wie feste und knackige Deadlines. In der Mastermindgruppe, in der ich derzeit bin (SOMBA Momentum), arbeiten wir mit monatlichen Sprints. Wenn ich in einer Kalenderwoche nicht blogge, muss ich 5 Euro in eine Gemeinschaftskasse zahlen. Wenn Laszlo und ich einen Termin für ein Launch-Webinar festgesetzt haben, wird von diesem Datum zurückgerechnet und dann alles durchgeplant. Und dann gibt es kein „hach, ich weiß nicht“ oder „kann ich das?“. Diese Deadlines sind fast alle öffentlich – das bringt mich zusätzlich ins Machen.

4. Tue es trotzdem

Wenn du erst einmal erkennst, dass das Imposter Syndrom nur ein Mindfuck ist, kannst du anfangen, deine Zweifel beiseite zu schieben. Mein Motto ist dann ein einfaches „trotzdem“. Ich mache die Dinge trotz meiner Zweifel, Ängst und Sorgen – nur um dann in den allermeisten Fällen mit einem Erfolgserlebnis belohnt zu werden. Mir hilft es, wenn ich mir folgendes vergegenwärtige: wenn ich es nicht tue, macht es jemand anders: zum Beispiel den Vortrag oder die Präsentation halten oder den Freelancer-Job übernehmen. Und wie oft passiert es Menschen mit dem Imposter Syndrom, dass sie anderen wegen ihrer Selbstzweifel den Vortritt lassen und dann von den Ergebnissen der anderen enttäuscht sind? Sehr oft. Wenn dir etwas wichtig ist, musst du es trotz deiner Zweifel machen. Deine Zweifel können dabei ein starker, positiver Motor sein, denn sie führen zu einem intensiven Reflektieren über deine Ideen/Ansätze und damit oft zu sehr guten Ergebnissen.

5. Rede darüber

Seit ich über mein eigenes Imposter Syndrom rede, kommen viele Menschen auf mich zu und teilen ihre Erlebnisse mit mir. Ich halte es für wichtig, dass die Menschen in meinem Umfeld verstehen, dass das Imposter Syndrom ein Mindfuck ist, der anerzogen wird. Und dass es ein langer Prozess ist, diese Denkweise hinter sich zu lassen. Ich will, dass sie verstehen, dass das Heruntermachen unserer eigenen Leistungen (das typische Verhalten von Menschen mit dem Imposter Syndrom) kein Fishing for Compliments ist! Bis vor einigen Monaten dachte ich, das Imposter Syndrom würde v. a. Frauen treffen – eben weil ich v. a. von Frauen erfahren habe, dass sie darunter leiden. Aber seit ich öffentlich darüber rede, treffe ich auch vermehrt Männer, die darunter leiden. Indem wir mit anderen darüber reden, können wir sie als Unterstützer für unsere „Umbauarbeiten“ am Mindset gewinnen. Denn alleine können wir das Imposter Syndrom kaum bewältigen!

6. Arbeite an deiner Sprache

Ein Kompliment für ein schönes Kleid, das einem gut steht, resultiert erschreckend oft in einer Variation von: „ach, das Kleid habe ich im Schlussverkauf bekommen, war ganz günstig“. Das ist typisch für Menschen mit Imposter Syndrom: eigene Leistungen (das Kleid steht dir gut, hast du gut ausgewählt) heruntermachen und Erfolge auf externe Faktoren (Schlussverkauf) schieben. Ich habe mich früher auch oft bei solchen Aussagen ertappt. Eine halbe Sekunde später habe ich mich gefragt: warum habe ich das gesagt?? Wenn mir heute jemand ein Kompliment macht, sage ich strahlend danke 🙂 Und das ist nur ein Beispiel. Es gibt so viele Gelegenheiten, bei denen Menschen mit dem Imposter Syndrom sich reflexhaft selbst kleinmachen und ihre Erfolge schlechtreden. Nachdem ich meinen Blick dafür geschärft habe, fiel es mir plötzlich bei ganz vielen anderen Menschen auf! Meine Empfehlung: provoziere Komplimente z. B. indem du ein besonders schönes Outfit anziehst und sobald ein Kompliment kommt: sage einfach nur „danke“ 🙂 Das ist ein super Training, wie eine Hyposensibilisierung für gefühlte Imposters!

7. Ziehe dein persönliches, öffentliches und kontinuierliches Erfolgsprojekt durch!

Mein persönliches, öffentliches und kontinuierlich Erfolgsprojekt ist mein Blog. Für mich ist das Bloggen das stärkste Mittel gegen mein Imposter Syndrom. Menschen mit dem Imposter Syndrom brauchen mehr kleine und große Erfolgserlebnisse als andere Menschen, um ihre Erfolge zu internalisieren. Und das Bloggen ist für mich mein absoluter Erfolgsmotor. Ich bekomme durch mein Blog sehr viel positive Rückmeldung und dadurch verändert sich langsam mein „Erfolgs-Thermostat“. Mein Blog, also mein persönliches Erfolgsprojekt, beinhaltet so viele der Punkte, die ich vorher genannt habe:

  • halte dir ständig deine Fortschritte vor (mein Blog ist quasi mein Erfolgstagebuch)
  • setze dir Deadlines (mind. einmal in jeder Kalenderwoche bloggen, sonst zahle ich 5 Euro)
  • tue es trotzdem (ich werde als Expertin sichtbar, trotz meines ersten „Ich? Expertin??“-Impulses)
  • rede darüber (wie z. B. in diesem Artikel)
  • arbeite an deiner Sprache (beim Schreiben/Bloggen kann ich besser über meine Aussagen reflektieren als beim Sprechen – was gerade bei Antworten auf Kommentare wichtig ist)

Ich selbst habe mit dem Bloggen 2005 angefangen und dann irgendwann 2011 fast ganz aufgehört. Erst im April 2018 habe ich wieder angefangen. Und das hat extrem viel Entwicklung ins Rollen gebracht. Ich empfehle jeder Person mit dem Imposter Syndrom, sich ein persönliches Erfolgsprojekt zu suchen: in was bist du richtig gut? In was bist du Expertin? Was liebst du, für was brennst du? Was kannst du mit wenig Aufwand realisieren? Zeige es der Welt! Dabei ist es egal, welche Form dein Erfolgsprojekt annimmt: Blog, Podcast, Video-Serie, Fotoserie auf Instagram usw. Hauptsache, du machst es öffentlich und kontinuierlich. Denn damit trainierst du dir deine ständigen Selbstzweifel weg.

Comments

  • Claudia
    REPLY

    Vielen Dank für Deinen Post. Ich habe mich auch oft wiedererkannt und hatte vor ein paar Tagen erst das Erlebnis, dass es einen Begriff für mein Verhalten und Denken gibt. Das fand ich auch sehr befreiend. Schwierig finde ich allerdings Deine Abschlussfragen: In was bist Du richtig gut? 😉 Da ist ja genau das Problem 😉

    6. August 2019
  • Julia
    REPLY

    Liebe Judith, mal wieder toll geschrieben! Deinen kleinen Imposter kannst Du getrost in die Tonne treten. Ich erkenne mich in vielem wieder in diesem Artikel (ich bin auch ein ganz klassischer Fall), aber vor allem bei dem Kompliment bzgl. des Kleides musste ich lachen. Ich hielt das für sehr spezifisch „ich“ und, nebenbei gesagt auch für sehr bekloppt, und hätte das gar nicht für einen Teil des Syndroms gehalten :-).
    Grüße von der (eigentlich recht erfolgreichen (aber das könnte jeder, wenn er sich dafür interessieren würde :)) Imposter-Schwester.

    12. Juli 2019

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