Blackout Poetry - kreiere Gedichte aus banalen Texten | Sympatexter

Blackout Poetry – kreiere Gedichte aus banalen Texten

Quelle: Pinterest-Suche nach „Blackout Poetry“

Blackout Poetry ist eine einfache Kreativitätstechnik mit Wow-Effekt. Ich habe Blackout Poetry beim BarCamp 2017 entdeckt und bin seitdem großer Fan davon. Im Grunde geht es bei Blackout Poetry darum, bestehende Texte zu recyceln und kreativ zu rekombinieren. Das geht z. B. mit Zeitungen, Zeitschriften, Romanen – aber auch mit Beipackzetteln, Pizzaflyern und sogar mit Briefen vom Finanzamt (⌐■_■). Das Ergebnis sind visuelle Gedichte und kleine Kunstwerke. Blackout Poetry ist eine Form der „Creative Destruction„: im kreativen Prozess zerstört man den ursprünglichen Inhalt und kreiert etwas neues daraus. Und: es heißt zwar Blackout Poetry – aber dein Ergebnis muss sich nicht reimen oder irgendeiner Syntax folgen. Das wird keine Gedichtsinterpretation 😉

So kreiert man Blackout Poetry:

Die Buchseite, von der ich im Video spreche, kannst du dir hier downloaden.

So gehst du bei der Erstellung einer Blackout Poetry vor:

  1. Der Text für Blackout Poetry muss dir in Papierform vorliegen. Deshalb: Schneide eine Textseite aus einer Zeitung/Zeitschrift aus.
  2. Überfliege den Text und schaue, ob dir ein Wort ins Auge fällt. Entscheide ganz spontan, aus dem Bauch heraus.
  3. Markiere dieses erste Wort ganz zart mit einem Bleistift.
  4. Suche jetzt vor und hinter diesem Wort nach anderen Worten, die dazu passen. Versuche, dein erstes Wort in einen sinnvollen Satz einzubetten. Im besten Falle ist dieser Satz z. B. emotional, witzig, tiefgründig oder ironisch und hat vielleicht sogar eine Pointe.
  5. Markiere mit dem Bleistift alle Worte davor oder danach, die deinen Satz ergeben.
  6. Schwärze alle anderen Worte mit einem dicken Filzstift.

Und dann ist dein Blackout Poetry fertig!

Einige Tipps für den Anfang:

  1. Für dein erstes Blackout Poetry empfehle ich dir, von oben nach unten zu arbeiten. Also: kehre den Lesefluss in deinem Blackout Poetry nicht um, sondern markiere die Worte wie sie im natürlichen Lesefluss vorkommen.
  2. Nehme die Worte so, wie sie in deinem Text vorkommen. Füge nichts zu den Worten hinzu und schwärze keine Buchstaben innerhalb eines Wortes, das du beibehältst.
  3. Mit der Zeit wird es dir leichter fallen, die Gedichte zu erstellen und Pointen zu finden. Es ist eine Übungssache. Aber manchmal zögert man, eine Blackout Poetry zu machen, weil man Angst hat, es zu vermasseln. Denn: einmal mit dem Marker eine falsche Linie gezogen… Deshalb: kopiere den entsprechenden Text fünf mal und lege einfach los. Versuche, auf Grundlage dieses einen Textes fünf ganz unterschiedliche Gedichte zu verfassen.
  4. Jede Buchseite hat vielleicht einige hundert Worte – die Kombinationen, die damit möglich sind, gehen in die Milliarden. Das soll dich nicht entmutigen, sondern, ganz im Gegenteil: mit jeder Blackout Poetry kreierst du etwas einmaliges, das es so vorher noch nie gab und wahrscheinlich auch nie wieder geben wird!

Weitere Möglichkeiten von Blackout Poetry:

Es gibt viele Möglichkeiten, den Schwierigkeitsgrad bei Blackout Poetry zu steigern. Hier eine kleine Auswahl:

  • die Auswahl des Mediums: ein Roman mit vielen Verben, Personalpronomen und blumigen Adjektiven ist grundsätzlich einfacher zu „blackouten“ als z. B. eine Packungsbeilage oder eine technische Bedienungsanleitung.
  • eine Themenvorgabe: versuche z. B. ein Liebesgedicht aus einem Pizzaflyer zu kreieren
  • die künstlerische Gestaltung des Gedichts: das Gedicht ist das eine – das Design das andere. Es gibt Blackout-Poetry-Künstler, die unglaubliche Kunstwerke aus ihren Blackout Poetries zaubern. Pinterest ist hier eine wahre Fundgrube!
  • die kreative Zerstörung eines ganzen Buchs mit Blackout Poetry: hunderte Seiten Gedichte in einem einzigen Buch. Nimm dazu einfach ein Buch aus deinem Bücherregal, das du nicht mehr brauchst, schlage die erste Seite auf und lege los! Positiver Nebeneffekt: man liest ein Buch, das mit mit Blackout Poetry „zerstört“ sehr aufmerksam und man macht ein Kunstwerk daraus. Das mache ich z. B. aktuell mit dem Roman „Exponentialdrift“ von Andreas Eschbach. Hier einige Beispiele aus dem Buch:

Und jetzt du: Starte mit deinem ersten Blackout Poetry

Lade dir diese Seite herunter, drucke sie fünf mal aus und erstelle deine ersten Blackout Poetries!

Exponentialdrift S. 25 – die Seite, über die ich auch im Video weiter oben spreche.

Leave a comment

Your email address will not be published. Required fields are marked *