Dekaden-Rückblick des Sympatexters: 2010 bis 2019 | Sympatexter

Dekaden-Rückblick des Sympatexters: 2010 bis 2019

Das Glück der Januargeborenen: Für mich fängt mit dem ersten Monat des Jahres nicht nur ein neues Jahr, sondern immer auch ein neues Lebensjahr an. Deshalb hat der Jahreswechsel für mich immer auch eine doppelte Bedeutung: zweieinhalb Wochen nach Silvester feire ich meinen Geburtstag. Da ich 1980 geboren bin, ist ein Rückblick zur Feier des neuen Jahrzehnts bei mir auch immer ein Rückblick auf mein eigenes zurückliegendes Lebensjahrzehnt. Im Januar 2020 geht der Dekadenrückblick also auf meine persönlichen Dreißiger. Und diese hatten es in sich! Denn die beiden dominierenden Themen meiner persönlichen Dreißiger sind das Duo Infernale für Frauen: Kinder und Karriere.

 

Bei diesem Rückblick habe ich mich von Marie Forleo inspirieren lassen. Brace yourselves – ein Haufen Bilder is coming! (Bei einigen Jahren fehlen noch die Bilder – ich werde sie nach und nach ergänzen)

2010

Ich starte in mein erstes volles Jahr als Selbständige. Ich hatte das große Glück, direkt vom Start meiner Freelancer-Tätigkeit am 01.06.2009 gut davon leben zu können. In 2010 arbeite ich bei Stuttgarter Digitalagenturen wie 21torr und MOSAIQ Media auf Kunden wie z. B. Boss Orange, EnBW, Sega, S. Oliver und Intersport. Im Winter gehe ich für einen Monat nach Budapest, um auf der „Debreceni Nyári Egyetem“ Ungarisch zu lernen – was lustig ist, wenn man bedenkt, dass nyári Sommer bedeutet 😉 Im Dezember lerne ich im Ungarischen Club in Stuttgart Laszlo kennen und bei einem unserer ersten Dates frage ich ihn, ob er Kinder haben will.


Worauf bin ich im zurückliegenden Jahrzehnt stolz?

Ich bin stolz darauf, dass ich die ganze Dekade hindurch selbständig war. Mitte und Ende der Nullerjahre war ich angestellt und ich musste feststellen: ich bin eine unglückliche Angestellte. Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, wie ich bei einer meiner Festanstellungen sonntags schon am Mittag regelmäßig Bauchschmerzen bekommen habe wenn ich nur daran gedacht habe, am nächsten Morgen wieder dorthin gehen zu müssen. Dann kam noch hinzu, dass ich wegen einer Rezession und der Wirtschaftskrise zweimal den Job verloren habe – einmal ging sogar die ganze Agentur pleite. Ich habe mich als Angestellte (Angstgestellte) immer in einem Zustand der Unsicherheit befunden, es hing immer irgendein Damoklesschwert über mir: die Angst vor dem Jobverlust und schon damals das Impostersyndrom. Und sowieso: oft hatte ich das Gefühl, ich sitze meine Zeit ab oder arbeite für die Mülltonne.

Als Selbständige hat sich das komplett geändert: Agenturen können es sich nicht leisten, Freelancer rumsitzen zu lassen. Und: als Freelancerin habe ich mich deutlich sicherer gefühlt – was viele in meinem Umfeld (vor allem in meiner Familie) irritiert hat. Denn für viele Angestellte gilt die Selbständigkeit als Unsicherheit schlechthin. Meine Antwort war dann immer: „wenn ich einen Job verliere, habe ich noch pi-mal-Daumen 9 andere – und du?“

Ich bin stolz auf meine Erfolge und auf die tollen Kampagnen, die ich entwickelt habe. Auf die Awards und Auszeichnungen – die meisten davon habe ich als Mutter bekommen.

Apropos Mutter: ich bin stolz darauf, dass Laszlo und ich drei Kinder haben, die zu so einer verschworenen kleinen Gruppe wurden. Ich nenne die drei liebevoll mein kleines Rudel. Zwischen den dreien gibt es selten Streit und sie laden sich gegenseitig zu ihren Geburtstagen ein. Um sie kreist mein ganzes Leben. Zudem: Laszlo und ich leben unseren Kindern eine ganz andere Art von Arbeiten vor: wir kommen nicht abgehetzt vom Job (ok, außer wenn wir launchen :-D) und hangeln uns nicht von Wochenende zu Wochenende. Wir brauchen keinen Urlaub, um uns von der Arbeit zu erholen. Wir arbeiten zusammen, haben ein Familienbusiness und sind ein Team, das mit vereinten Kräften in die gleiche Richtung zieht. Wir reden sehr offen über Geld (ich bezahle ihn schließlich!). Damit ich meine Kurse vorbereiten und geben kann und damit ich meinen Freelance-Jobs und meiner Dozententätigkeit nachgehen kann, hat Laszlo den größten Teil des Mental Load übernommen. Er bringt und holt die Kinder, er kümmert sich zum größten Teil um den Haushalt und um Dinge wie Kinderarzt. Ich bin stolz darauf, dass wir Mitte 2018 diesen mutigen Schritt gewagt haben und jetzt die Möglichkeit haben, unser Leben und Business, so wie wir es uns erträumen, zu realisieren. Und: ich bin stolz darauf, dass Laszlo und ich Lösungen finden, wo andere Paare längst aufgegeben hätten. Dass wir unseren Humor und unseren Respekt voreinander bewahrt haben, auch in schwierigen Situationen.


2011

Die Projekte bzw. Kunden des Jahres heißen: dm, Rolf Benz, Boss Orange, Intersport. Ich arbeite u. a. für Mosaiq Media, Weitclick, dmc und Beaufort 8. Im Budapest-Urlaub werde ich schwanger und im Dezember, ein Jahr, nachdem Laszlo und ich uns kennengelernt haben, kommt unser erstes Kind auf die Welt: ein Mädchen ♥ Bevor ich allerdings wusste, dass ich schwanger war, bin ich noch den ein oder anderen Halbmarathon gelaufen. Wir ziehen von Stuttgart Mitte nach Stuttgart Heumaden um denn wir haben keine Lust auf Stuttgart21-Wahnsinn und Stäffeles-Inferno mit Baby.


Was war in den Zehnerjahren besonders wichtig für mich und was habe ich gelernt?

Familie. Das war der prägende rote Faden durch das Jahrzehnt. Und: selbständig und unabhängig zu sein. Ich bin in meine Rolle als Selbständige reingewachsen und kann mir nicht mehr vorstellen, einen Chef über (oder neben) mir zu haben. Ich bin an der Spitze meines Unternehmens. Nur ich. Das ist meine wichtigste Lehre aus meiner GmbH-Pleite in 2014. Wenn sie für etwas gut war, dann für diese Erkenntnis.

In meinem Business hole ich mir Unterstützung, gebe Aufgaben ab und hole mir Ratschläge ein – aber entscheiden tue nur ich. Anfangs habe ich mir das nicht zugetraut und habe mich sehr gerne hinter anderen versteckt (Impostersyndrom). Aber irgendwann ist es mir sauer aufgestoßen, dass andere sich dazu berufen fühlten, für mich zu antworten, mir ständig ins Wort gefallen sind oder lieber mit dem Mann neben mir statt mit mir geredet haben. Dann war für mich klar: Ich muss die Rolle, in der ich mich sehe, auch einnehmen. 

Ich war schon immer eine von der schnellen Sorte. Ich brauche nicht lange, um mich zu entscheiden – oder, um mich ggf. umzuentscheiden. Ich bin nicht der Typ, der sich bis zum bitteren Ende in eine Entscheidung festkrallt. Und ich habe in den vergangenen 10 Jahren gelernt, dass das eine gute Sache ist. Sehr oft wurde mir vorgeworfen, ich sei so wankelmütig und würde durch das Leben mäandern. Und immer wieder wurde mir vermittelt, dass die Tatsache, dass ich meine Entscheidungen manchmal wieder rückgängig mache, eine Charakterschwäche von mir sei. Jetzt weiß ich: es ist eine Stärke, zu erkennen, wann man falsch lag, um rechtzeitig die Handbremse zu ziehen und auszusteigen oder eben eine neue Richtung einzuschlagen. Ich habe gelernt: Menschen, die sich festkrallen, verlieren Zeit. Und Zeit ist unsere womöglich wertvollste Ressource.

Etwas anderes, das ich gelernt habe: Risiken einzugehen führt vielleicht zu gelegentlichen Fehlschlägen, zahlt sich aber auf lange Sicht aus. Auch das ist etwas, das mir in den letzten 10 Jahren gerne vorgeworfen wurde. Ich glaube, was Risiken angeht, stehen Frauen unter besonderer Beobachtung, da das nicht gerade als weibliche Tugend gilt. Aber sagen wir es mal so: Hätte ich Mitte der Zehnerjahre nicht in Bitcoins investiert, hätte ich mir 2019 kein Haus kaufen können.

Ich habe gelernt, viel stärker auf meine Intuition zu vertrauen. So wie damals, Ende 2017, als ich gespürt habe, dass mein Geschäftsmodell als normale Freelancerin und dreifache Mutter nicht zukunftssicher ist. Und ich dann rechtzeitig, also als es noch gut gelaufen ist, meine Strategie geändert habe und in das Abenteuer Onlienbusiness gestartet bin. Mittlerweile mache ich mit meinem Onlinebusiness mehr Umsatz als mit meinem Freelancing und meiner Dozententätigkeit. Wobei… Eigentlich bin in meinem Onlinebusiness auch Dozentin. Nur eben per Zoom bzw. Live-Video und nicht vor einer Klasse. Es ist sehr ähnlich, nur in einer anderen Dareichungsform.

Etwas anderes, das ich gelernt habe: Ich habe lange nicht gewusst, was ich mal werden will, wenn ich groß bin. Auf jeden Fall nicht Lehrerin – so viel war mir klar. Ich dachte immer, das sei der absolute Alptraumjob. Bis ich 2016 Dozentin an der Stuttgarter HfK wurde. Durch meine Lehrtätigkeit habe ich mein Bild von mir selbst komplett verändert.


2012

Wir kaufen uns eine Wohnung. Dass wir einen Kredit bekommen haben, finde ich immer noch faszinierend: ich war in Elternzeit und Laszlo damals immer noch Student. Ich fange an, auch für Endkunden zu arbeiten: Fotografinnen, Ernährungsberater und Designer. Ende des Jahres dann mein bisher größter Erfolg: ich entwickle mit der Event Agentur FULL MOON die Idee für FERRERO Kinder Schokolade, die Kindergesichter der Stars der Fußballnationalmannschaft auf die Verpackung zu setzen.

 

 

 

 

 

An diesem Werbeschild der SWSG in Stuttgart Birkach sind wir oft vorbeigefahren. Ah, da wird also gebaut. Wir haben uns informiert und dann eine der Wohnungen gekauft.

 


Woran möchte ich mich erinnern, wenn ich in das neue Jahrzehnt starte?

Da ich nicht mehr so viel für Agenturen arbeite, werde ich mich sehr gerne an diese Freelancing-Zeiten erinnern. Und an die große Freude, als ich einen Award gewonnen habe. Als ich die Kindergesichter auf der Verpackung der Kinder Schokolade zum ersten Mal in einem Laden (im Penny in Stuttgart Birkach) gesehen habe – meine Idee! In den 2020ern werden meine Erfolgserlebnisse auf anderen Dingen beruhen.

Ich möchte mich daran erinnern, dass meine Kinder klein waren und ihre ersten Schritte gemacht und ihre erste Worte gesprochen haben. Bis zu dem Moment, dass mir mein Mittlerer 2019 das Ohr abgequatscht hat mit seinen Geschichten ♥ Ich möchte mich daran erinnern, wie Laszlo und ich in unserem ersten Urlaub nach Budapest, wir kannten uns gerade mal drei Monate, einmal nicht aufgepasst haben und ich am nächsten Morgen dachte: „ach naja, wird schon nichts passiert sein“ und ich den Fernseher einschalte und sehe, wie Züge von einer Welle weggeschwemmt werden. Und ich noch so: ist das ein Science Fiction Film? Nein, über Japan ist ein Tsunami hereingebrochen. Sehr genau neun Monate später sollte unsere Tochter geboren werden. Ich möchte mich an meine Schwangerschaften erinnern, die trotz der vielen Sorgen und Ängste dann doch alle gut ausgegangen sind (mein Bauch sah jedesmal nicht zufällig so unschwanger aus). Dass ich mir gewünscht hätte, eine normale Geburt erleben zu können und wie es mich getroffen hat, dass es dann doch nicht geklappt hat. Und dass ich so unglaublich dankbar dafür bin, dass ich aus drei Schwangerschaften drei gesunde Kinder bekommen habe. Denn ich weiß, dass das alles andere als selbstverständlich ist. Auch die Erinnerungen daran, wie anders ich das angegangen bin mit den Kindern, anders als meine Eltern und meine Umgebung, möchte ich mitnehmen und nie mehr loslassen: Dass ich sie alle drei vom ersten Lebenstag an abgehalten habe und sie wie auf Knopfdruck Pipi und Kaka ins Waschbecken gemacht haben (ich habe so unglaublich viele Kaka-Fotos, weil ich das am Anfang selbst nicht glauben konnte). Dass mir die Hebammen im Krankenhaus das nicht geglaubt haben und ich es ihnen vorgeführt habe und meine neugeborenen Kinder jedesmal wunderbar mitgemacht und es demonstriert haben. Dass ich es geliebt habe, meine Kinder zu tragen (mit ihrem Köpfchen auf Kusshöhe), zu stillen und neben mir schlafen zu lassen. An diese vertrauten, innigen Momente möchte ich mich mein Leben lang erinnern.

Ich möchte mich an die Familienfeste erinnern und an den Geruch der Wohnung meiner Eltern. An das Durcheinander der Sprachen und dieses ungarisch-rumänisch-deutsche Kauderwelsch. An diese schönen Momente an denen ich mich selbst in meinen Dreißigern wie ein Kind fühlen durfte, wenn ich am Esstisch meiner Eltern sitze und sie mit gefüllte Kohlrouladen auftischen (dieser Duft! Hier ist das Rezept). An die Normalität, Teil einer Großfamilie zu sein und jede Woche zu einem Geburtstag eingeladen zu sein. An die Aussicht aus der alten Wohnung meiner Eltern in der Bernsteinstraße und an meine Aussicht aus der Wohnung in der Sängerstraße – aber nicht an den kalten Boden in der Wohnung in Heumaden. Und ich möchte mich an jemanden erinnern, der mich fast mein ganzes Leben gekannt hat und der von all meinen Geheimnissen, Ängsten und Sehnsüchten wusste, der Schuld war an meiner Star-Trek-Leidenschaft und mit dem ich als Kind und Jugendliche stundenlang durch dieses Neubaugebiet gestromert bin, das aussieht wie Real-Life-Tetris – und der 2018 überraschend gestorben ist, obwohl er noch so jung war. Jünger als ich.


2013

Ich baue mein Freelancing aus. Die Projekte bzw. Kunden des Jahres heißen Mon Cherie, HP, Sparkasse und Centa Star. Laszlo und ich heiraten – zufällig am 40. Hochzeitstag meiner Eltern. Im November kommt unser 2. Kind auf die Welt: ein Junge ♥

Meine Tochter bei Full Moon: Früh übt sich, wer mal eine große Werberin werden möchte.

Unsere Hochzeit am 16. August 2013: am 40. Hochzeitstag meiner Eltern. Wir hatten kaum Geld, aber das Geld für einen Fotografen habe ich mir dennoch gegönnt.

 

Standesamt, Beglaubigungen, Restmüllsäcke – eines meiner absoluten Lieblingsfotos des Jahrzehnts 😀

Unsere Hochzeitsreise ging nach Budapest:

November 2013: unser 2. Kind wird geboren.


Welche alten Projekte und Ziele lasse ich hinter mir?

Ich dachte ja immer, ich möchte Creative Director in einer großen Werbeagentur werden. Ich habe dann aber sehr schnell festgestellt, dass ich mich in Agenturen gar nicht so wohlfühle, zumindest nicht als Festangestellte. Als Freelancerin war das dann gleich viel angenehmer, weil ich nicht so fest integriert war in die Teams – und damit auch von politischen Spielchen und Intrigen verschont wurde. Aber: als Freelancerin ist es eher schwierig, Creative Director (CD) zu werden. Das ist ja fast immer eine Position, in die man als Angestellter einer Agentur aufsteigt. Einmal blitzte diese Chance dann doch noch out of the blue auf, Anfang 2018. Da wurde mir eine Position angeboten mit Aussicht, relativ schnell in die CD-Rolle aufzusteigen. Ich habe ungefähr 2 Sekunden überlegt und dann sofort dankend abgelehnt. Denn: da hat sich in mir schon die Idee mit dem Onlinebusiness eingenistet. Noch viele Monate später habe ich mich gefragt, ob ich damals eine falsche Entscheidung getroffen habe. Denn gerade am Anfang lief das mit dem Onlinebusiness doch eher schleppend. Und wenn die Kohle knapp war, habe ich mir ausgemalt, wie meine Karriere als CD womöglich verlaufen wäre. Aber ich kenne mich: ich wäre in dieser Position unglücklich geworden. So wie ich auch früher unglücklich war als Angestellte. Dies Vorstellung der „idealen Texterkarriere“ lasse ich in den Zehnerjahren zurück. Ich baue mir meine ideale Texterkarriere einfach selbst.


2014

Centa Star wird einer meiner wichtigsten Kunden. Weitere Projekte heißen Glarify und Profilog. Ich kandidiere für den Stuttgarter Gemeinderat und lande auf Listenplatz 4 der Piratenpartei. Das Freelancing läuft gut aber ich habe Lust auf ein neues Projekt: Mit einem Kollegen gründe ich eine GmbH rund um das Thema Digitalisierung. Das geht komplett in die Hose und ich ziehe mich aus der Sache zurück. Im Oktober starte ich meinen Newsletter. Ende des Jahres werde ich Freelancer bei der BioRegio STERN und kriege Einblick in Themen wie Biotechnologie und Medizintechnik. Als Arzttochter ist das genau mein Ding!

Ich kandidiere für den Gemeinderat und mache Wahlkampf mit Baby – u. a. auch in meinem ehemaligen Gymnasium auf einer Podiumsdiskussion. Bei den Meetings der Piratenpartei ist meine Tochter fast immer mit dabei. Um für mehr Buzz zu sorgen, habe ich meine Wahlplakate in ganz Stuttgart aufgehängt – und natürlich auch vor den Agenturen, bei denen ich freelance: u. a. Panama, Frank und Freunde und, hier im Bild, Mosaiq Media.

Pallotti-Kirche: diese Haltestelle gibt es heute gar nicht mehr. Dort steht jetzt ein Neubaugebiet, das Stand heute (Dezember 2019) noch nicht fertiggestellt ist. Ansonsten ist 2014 das beherrschende Thema: meine Familie.

Die Fußball WM wurde auf der Spielstraße vor unserer Wohnung ausgiebig gefeiert:

Ich war viel unterwegs, u. a. in Budapest, Österreich und Berlin:

 

Der Winter 2014:


Was ich nicht mit ins neue Jahrzehnt nehmen werde

Ein für mich sehr schweres Gepäck möchte ich in den Zehnerjahren zurücklassen. Nämlich den Ursprung meines Imposter Syndroms. Dieses Gefühls, nicht gut genug und nicht talentiert zu sein. Talent ist nämlich so eine Sache: Ich hatte immer das Gefühl, dass um mich herum die Leute immer von dem einen Talent sprechen, das man hat. Dass wir für eine Sache auf dieser Welt sind. Und dass so viele Menschen auf der Suche sind nach diesem einen Talent, das ja jeder von uns hat. Und dass viele auf dieser Suche nach ihrem Talent und ihrer Bestimmung schier verzweifeln, weil sie es nicht entdecken. Nur: Ich wusste immer, was mein eines Talent war – und ich habe es mit 7 Jahren verschwendet. Ich war eine extrem begabte Turnerin. Damals in Rumänien war ich in einem Trainingszentrum und war ein echtes Ausnahmetalent. Dann kamen wir nach Deutschland und wir hatten andere Sorgen als für mich ein Turnzentrum zu suchen. Dieses Potential wurde ad acta gelegt. Tja, und nun? Wenn jeder ein Talent hat, wer bin ich, auch noch in etwas anderem als Turnen so richtig gut sein zu dürfen? Angefangen beim Zeichnen über so ziemlich jede Sportart (außer Wasserski) bis hin zum Texten. Nie konnte ich meine Fähigkeiten annehmen, immer fand ich etwas, das nicht gut genug war. Da war immer dieses Gefühl: beim nächsten Mal, da werde ich aber ganz bestimmt scheitern. Stattdessen habe ich bekommen: Eine Auszeichnung für meine Abschlussarbeit in Grafik-Design, zig Ehrenurkunden, die erste 1 in der Laufbahn meines Professors für meine Diplomarbeit, Awards, begeistertes Lob und viele überschwängliche Testimonials. Aber beim nächsten Mal, da werde ich ganz bestimmt scheitern. Meine Zweifel und Ängste wurden von manchen Menschen als „Fishing for Compliments“ abgetan, was mich unglaublich getroffen hat. Vielleicht war nicht jedes meiner Projekt und nicht jede Kampagne over the top – aber gescheitert bin ich als Kreative nie (nur einmal als Unternehmerin). Meinem Gehirn war das lange egal. Und jetzt beginne ich, das abzuschütteln. Mit meiner Content Ängst hat das ja auch schon geklappt. Und jetzt habe ich das Gefühl, dass das mit dem Imposter Syndrom nur der nächste Schritt ist. Ich muss die Trauer um diese verpasst Chance nur loslassen.


2015

Ich werde Freelancer bei ADDA Studio. Gemeinsam machen wir die geilsten, abgefahrensten Projekte. Die Kunden bzw. Projekte des Jahres heißen Outletcity Metzingen, elero, Centa Star (insbesondere die Kissenbar) und congstar. Im Sommer/Herbst entwickle ich meine nächste große Knaller-Idee: die fröhliche Drei-pack-ich-keit für congstar bei 21torr.

Wir waren wieder viel unterwegs: 2 x Amsterdam (beim ersten Mal war ich dort beim Frisör und bin zufällig bei jemandem gelandet, der für die niederländischer Version von Germany’s next Topmodel den Models die Haare geschnitten hat), Budapest, die re:publica in Berlin, Ljubljana, Prag und am Gardasee mit der Familie von Laszlos Bruder.

Auch 2015: Familie ist DAS Thema.

Meine Eltern besichtigen ihre neue Wohnung:

Bei einem Familienfest hat meine Tante ihr Fotoalbum ausgepackt:

Meine Mutter (3. von vorne) mit ihren Schwestern und ihrer Mutter (links hinter ihr). Die 2 Kids vorne sind ihre Nichte und Neffe (meine Cousine und mein Cousin). Wer der Mann ganz hinten rechts ist, weiß ich nicht. Das muss ca. Mitte der 70er gewesen sein.

Hammerbild! ich bin die mit der crazy Frisur und dem Kleid (2. v. l.). Da war ich ca. 5.

Ich kann es immer noch nicht fassen, dass ich damals einen Pony hatte. Ich finde, das war zwar mal was anderes aber nicht sooo geil:

   

Auf unserem Balkon war echt viel los: Amseln haben dort in Scharen gebrütet und wir haben Gemüse geerntet: