Warum Facebook und Instagram kein guter Ersatz für ein Unternehmensblog sind | Sympatexter

Warum Facebook und Instagram kein guter Ersatz für ein Unternehmensblog sind

„Warum bloggst du eigentlich nicht, du bist doch so ein meinungsstarker Typ?“ fragte ich einen meiner Gäste beim Abschlussgrillen von meinem Onlinekurs am 04. August 2018. Die Antwort war die allseites beliebte Dreierkombo, die ich schon öfter im Zusammenhang mit dem Thema Unternehmensblog gehört habe:

  1. Ich habe keine Zeit
  2. Interessiert das überhaupt jemanden?
  3. Ich bin doch schon auf Facebook und Instagram aktiv

Und ich so: „hey Dude… mich würde das interessieren.“ Einige Argumente meinerseits später und er überlegt sich jetzt, ein Blog auf seiner Webseite zu integrieren. Und auch ich überlege: woher kommt eigentlich diese Blog-Unlust gerade bei Solopreneuren? Viele Blogs, ob private oder geschäftliche, haben in den letzten Jahren dichtgemacht – aus vielen Gründen: ein klitzekleiner Dank hier auch an die DSGVO, die im Jahr 2018 das Blogsterben vorangetrieben hat. Ein weiterer Grund ist, dass in den Blogs selbst immer weniger Interaktion passiert. Schon seit einigen Jahren zeichnet sich ab, dass Facebook als „Staubsauger“ fungiert: das soziale Netzwerk zieht alle Gespräche und jeden Content an sich. Wackere Blogger merken das z.B. daran, dass sie fast keine Kommentare mehr unter ihren Blogartikeln bekommen – aber wenn sie einen Blogartikel auf Facebook teilen, kommentieren die Leute dort fleißig, wenn auch nur mit Likes und Herzchen. Immer: eine Reaktion! Features wie die Blogroll (bekannt von früher™, damit haben sich Blogger untereinander verlinkt) sind sowieso ausgestorben, heute wird kaum noch untereinander verlinkt, denn die Gespräche finden mittlerweile auf Facebook statt.

Womit wir auch bei Problem Nr. 1 wären: Gespräche bei Facebook verschwinden.

Gut, jetzt könnte man einwenden, dass auch auf einem Blog die Artikel untereinander sortiert werden und irgendwann verschwinden. Der Unterschied ist: ich kann jeden Blogartikel durch Kategorien, interne Links, ein Archiv und spätestens mit einer Google-Suche wieder hervorzaubern. Das geht mit Inhalten auf Facebook und Instagram nicht. Sobald das Thema dort ausdiskutiert und nach unten geschoben wurde, wird es kaum noch gefunden. Und: weil der Artikel nicht mehr gesehen wird, kommen auch keine neuen Kommentare mehr hinzu. Thema abgehakt. Was natürlich echt ungeschickt bei theoretisch „evergreenem“ Content ist – also Inhalt, der eigentlich zeitlos ist und auch in 5 Jahren noch aktuell wäre, wie z.B. für den Leser nützliche Artikel, How-To’s, Checklisten oder persönliche Geschichten.

Problem Nr. 2: Die schlechte Durchsuchbarkeit von Inhalten auf Facebook mit Suchmaschinen.

Einen Dienstleister zu suchen und zu finden, geht mit Suchmaschinen besser als auf Facebook (außer, man fragt nach Empfehlungen). Über die Facebook-Suche findet man dann z.B. auch nur Seiten und Gruppen, die das gesuchte Keyword im Titel tragen. Sich dann z.B. als Designer oder Fotograf mit der eigenen Contenterstellung einseitig auf Facebook zu konzentrieren, hat womöglich per se nicht das große Potential weil man eben schlecht gefunden wird. Wenn dann doch mal ein potentieller Kunde auf Facebook auf einen interessanten Dienstleister aufmerksam wird, geht der Klick nach dem Abscannen des Feeds meist direkt auf die Webseite. Wehe, wenn dann die Webseite brach liegt. Weder die Leser noch Google mögen das. So rutscht man dann in der Lesergunst und in den organischen Suchergebnissen bei Google und Co. ab. Lose-Lose-Situation.

Facebook-Problem Nr. 3: Die Sache mit den (fehlenden) Links

Ich kann auf meinem Blog meine eigenen Blogartikel oder extere Quellen verlinken und so meinen Artikel durch weitergehende Informationen aufwerten. Versuch das mal auf Facebook! Dort kann man einen Link setzen und fertig. Auf Facebook werden Links singulär gedacht – du sollst einen Link teilen. Und zwar einen einzigen. Den kannst du dann gerne noch kommentieren und beschreiben. Aber spästesten, wenn du in einem Facebook-Posting zwei Quellen präsentieren und z.B. vergleichen möchtest, stößt du an die Facebook-Grenzen. Instant Articles lösen dieses Problem theoretisch, werden in meinem persönlichen Umfeld aber kaum benutzt (und auch da ist die Grundlage ein Blog). Zitieren oder Bezüge auf Facebook oder Instagram herstellen ist schwierig, weil Backlinks auf Facebook-Postings quasi nicht eingeplant sind und auf Instagram gar nicht gehen. Dort kann man nur @-Mentions auf Profile setzen.

4. Das klassische Plattformproblem: Nicht jeder ist auf Facebook oder Instagram

Wenn man die eigene Contentparty nur auf Facebook oder Instagram schmeißt, schließt man alle Leute aus, die nicht auf Facebook oder Instagram sind. Und das sind gar nicht mal so wenige 😮 Ich habe das selbst erlebt, als ich meinen kostenlosen Sommerkurs beworben habe und unter den Anmeldungen tatsächlich drei dabei waren, die keinen Facebook-Account hatten. Ok, könnte man meinen, das ist jetzt ziemlich wenig: drei aus 117 Anmeldungen. Aber: ich habe meinen Kurs fast ausschließlich über Facebook beworben. Von den Wenigen, die also nicht über Facebook auf meinen Kurs aufmerksam wurden, waren relativ viele nicht bei Facebook. Mit einer Webseite schließt man nur die aus, die kein Internet bzw. keinen Computer haben. Das sind dann wirklich wenige.

5. Man kann seine Dienstleistung kaum an seine Fans und Follower verkaufen

Produkte oder Dienstleistungen im Internet verkaufen – ist das nicht das Gleiche?

Einen Spontankauf im Internet hat wohl jeder von uns schon mal hingelegt. Aber wann hast du zuletzt bei einer digitalen Dienstleistung einen Spontankauf getätigt? Nie? Selbst bei Gruppen bzw. Instagram-Profilen mit mehreren (Zehn)Tausend Fans gelingt es den Onlinemarketing-Experten kaum, direkt Umsatz daraus zu generieren. Der Umsatz kommt nach wie vor v.a. über die Email-Liste – und diese wird oft mit dynamischen Inhalten von der Webseite gefüttert. Instagram und Facebook sind aber super zum Auf-sich-aufmerksam-Machen und zum Aufwärmen einer Zielgruppe. Selbst Leute, die ihr ganzes Geschäftsmodell z.B. auf Facebook ausgerichtet haben, stellen fest: früher oder später braucht man eine Plattform, auf der alles zusammenläuft – die eigene Webseite.

6. My Blog is my Castle – die digitale Freiheit auf der eigenen Webseite

Und dieses eigene ist unglaublich wichtig. Wenn man alles auf eine Plattform setzt, macht man macht sich von ihr und ihrem Algorithmus abhängig. Die Inhalte auf einer Plafform gehören nicht einem selbst und sind auch schwierig zu exportieren. Sie können jederzeit verschwinden oder gelöscht werden, deine Seite oder Gruppe kann plötzlich gesperrt werden. Oder, wie Sascha Lobo es in einer Uralt-Kolumne ausdrückt: „Wer Facebook, Twitter oder andere soziale Netzwerke nutzt, ist im Netz nicht wirklich frei. All diese Dienste können von den Betreibern jederzeit verändert, verkauft, zensiert, geschlossen werden. Wer wirklich frei im Internet veröffentlichen will, braucht eine eigene Website.“ (der Artikel stammt aus dem Jahr 2012 und ich habe ihn natürlich über Google gefunden). Und weil es so wichtig und richtig ist weiter im Text: „All ihr digitales Schaffen findet im geborgten Internet statt. Social Media ist ohne Zweifel der aktuelle Stand des Internets. Aber wer auf seine digitale Freiheit Wert legt, für den bleibt – solange freie Social Networks wie Diaspora noch irrelevant sind – nur das schönste, aber anstrengendste Instrument für die soziale Vernetzung und das Teilen von Inhalten übrig: die selbst kontrollierte Website, also das Blog.

Kurz gesagt: egal wie du dein Smartphone drehst und wendest: es führt einfach kein Weg an der Content-Party auf der eigenen Webseite vorbei. Die darf man dann auch gerne bei Instagram und Facebook sharen 😀 Dann hat man das Beste aus beiden Welten!


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